29.08.2016
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Hochdruckgebiet: „Jill“ bringt Polarluft

Der Jahrhundertschneesturm legt Kiew und die Ukraine lahm.

Der Jahrhundertschneesturm legt Kiew und die Ukraine lahm.

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AFP

Köln/Potsdam -

Von wegen Frühling: Grimmige Kälte und Minusrekorde beherrschen den März. Besonders eisig war es im brandenburgischen Dorf Coschen: Mit minus 19 Grad war es in der Nacht zum Sonntag der kälteste Ort Deutschlands. „Ende März ist es in Brandenburg noch nie so kalt gewesen seit der Wetteraufzeichnung“, sagte Eva Wille vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Potsdam. Auch in Berlin sanken die Temperaturen in der Nacht auf Rekordtiefe. An einer Messstation im äußersten Südosten der Stadt wurden am Wochenende minus 17 Grad gemessen.

Diese extreme Kälte nachts und am frühen Morgen ist auf das Hochdruckgebiet „Jill“ zurückzuführen, das Deutschland Polarluft bringe. Besserung sei aber schon in Sicht, sagt Meteorologe Christoph Hartmann vom DWD. „Im Norden und Osten ist der Höhepunkt der Kältewelle nun überschritten, und es wird jeden Tag etwas weniger kalt werden.“ Zu Ostern werde es keinen Dauerfrost geben, nur nachts könnten die Temperaturen wieder unter den Gefrierpunkt sinken. Richtig schön wird das Wetter zum Ostereiersuchen aber nicht: Es seien viele Wolken und Regen zu erwarten, sagte Hartmann.

Ganz anders in der Ukraine. Dort haben die Behörden nach einem Jahrhundert-Schneesturm den Ausnahmezustand verhängt. In der Hauptstadt Kiew räumten am Sonntag Tausende Angestellte und Soldaten mehr als einen halben Meter Neuschnee. Mehr als 500 Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten. In der Nacht zum Samstag war in Kiew so viel Niederschlag gefallen wie sonst im ganzen Monat März.

Winter trifft Gartenbauwirtschaft

In Großbritannien hat der Winter ebenfalls völlig unerwartet zugeschlagen. Heftige Winde, Minusgrade und Schneeverwehungen verwandelten viele Regionen am Wochenende in Winterlandschaften. Drei Menschen starben in Schnee und Eis, in Nordirland und in Schottland waren Zehntausende bis zu drei Tage ohne Strom.

Der lange Winter hat in Deutschland mittlerweile auch Folgen für die Gartenbauwirtschaft. Weil der Frost nicht weichen wollte, entschieden sich Hobbygärtner gegen das Einsetzen bunter Frühblüher. Viele Gärtner seien auf den ersten Frühlingsboten deshalb sitzen geblieben, sagte Karl-Ludwig Haller vom hessischen Gärtnereiverband. Primeln, die die Saison eröffnen, müssten massenweise entsorgt werden. „Einige Betriebe haben Riesenverluste“, sagte Haller. In den Gewächshäusern werde der Platz jetzt für Sommerblüher wie Geranien oder Fleißige Lieschen gebraucht, die Gärtner hätten keine Wahl. „Entweder die Geranien gehen kaputt oder die Primeln“, sagte Haller.

Pflanzzeit ist jetzt für Stiefmütterchen oder Tausendschönchen. Noch bis Ende April haben sie Saison, dann folgen die frostempfindlichen Blumen für Beet und Balkon. Sie sollten erst in die Erde, wenn wirklich keine Minusgrade mehr anständen, sonst drohe Totalschaden. Haller hofft, dass Verbraucher das wissen, Geduld haben und jetzt mit den robusten Pflanzen Farbe in ihren Garten bringen. Sonnige Tage vor Ostern seien eine Chance für die Gärtner. „Ostern ist ein Fixpunkt, dann muss alles schön sein.“ Hoffentlich richtet sich auch das Wetter ein bisschen danach. (dpa, nz)