24.08.2016
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Katastrophenalarm: Bundeswehr soll Flut aufhalten

Einsatzkräfte der Feuerwehr fahren im nördlich von Chemnitz gelegenen Penig mit einem Schlauchboot an einem Wohnhaus vorbei, an dem eine Hochwasserwassermarke der Zwickauer Mulde von der Rekordflut aus dem Jahre 2002 zu sehen ist.

Einsatzkräfte der Feuerwehr fahren im nördlich von Chemnitz gelegenen Penig mit einem Schlauchboot an einem Wohnhaus vorbei, an dem eine Hochwasserwassermarke der Zwickauer Mulde von der Rekordflut aus dem Jahre 2002 zu sehen ist.

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dpa

München -

In den Hochwassergebieten im Osten und Südosten Deutschlands hat sich die Lage in der Nacht zum Montag weiter zugespitzt. In etlichen Städten und Landkreisen in Bayern, Thüringen und Sachsen gilt Katastrophenalarm. Tausende Menschen wurden bis zum frühen Morgen aus überschwemmten Gebieten in Sicherheit gebracht. Die Bundeswehr sollte im Laufe des Tages zum Einsatz kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte den am stärksten betroffenen Ländern „volle Unterstützung“ zu. Auch im benachbarten Ausland war die Lage kritisch.

Am Inn in Bayern wurden nach Angaben des Hochwassernachrichtendienstes in der Nacht zum Montag vielfach historische Höchstmarken überschritten. „Für die Donau erwarten wir am Mittag den historischen Höchststand von 12,55 Meter“, sagte ein Sprecher des Passauer Krisenstabes in der Nacht. Die historische Altstadt und Teile des Zentrums der Dreiflüssestadt sind großflächig überspült. In einigen Häusern wurde aus Sicherheitsgründen der Strom abgestellt.

Am Montagmorgen werden in Passau rund 150 Bundeswehrsoldaten zur Unterstützung der Einsatzkräfte erwartet. Seit Beginn der angespannten Hochwasserlage am vergangenen Freitag waren nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) im gesamten Freistaat etwa 15 000 Helfer im Einsatz.

„Möglicherweise werden wir eine Entwicklung bekommen, die zu einem Hochwasser führen könnte, das bisher noch nie dagewesen ist“, hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Sonntagabend gesagt. Angesichts der dramatischen Situation hat die Staatsregierung einen Krisenstab eingerichtet. An vielen Schulen in Bayern soll der Unterricht am Montag ausfallen.

Auch in Nieder- und Oberbayern spitzte sich die Lage in der Nacht zu. In Kolbermoor bei Rosenheim brach ein Damm. Die Innenstadt von Rosenheim wurde für den Durchgangsverkehr gesperrt. Bis zum Sonntagabend wurde in zehn bayerischen Städten und Landkreisen Katastrophenalarm ausgelöst, darunter Passau und Rosenheim.

In Sachsen hat das Hochwasser von Weißer Elster, Mulde und Chemnitz bereits zahlreiche Gebiete überschwemmt. Mehrere Landkreise im westlichen Teil des Freistaates riefen Katastrophenalarm aus. Vielerorts sollten Schulen am Montag geschlossen bleiben. Im Landkreis Mittelsachsen fiel bei einigen tausend Einwohnern der Strom aus.

Besonders kritisch war die Lage an der Weißen Elster in der Region Leipzig und an der Zwickauer Mulde. „Es ist davon auszugehen, dass die Pegelstände des Hochwassers von 2002 erreicht und überschritten werden könnten“, teilte der Landkreis Nordsachsen am Sonntag mit. In Eilenburg wurde bereits die Innenstadt evakuiert. Rund 7000 Menschen waren nach Angaben eines Sprechers betroffen. Sie seien in Notquartiere gebracht worden.

In der Altstadt von Grimma (Kreis Leipzig) mussten rund 2500 Bewohner ihre Häuser verlassen. Auch das Zentrum von Döbeln (Mittelsachsen) stand komplett unter Wasser, hier wurden Anwohner etwa in Turnhallen untergebracht. Auch in Chemnitz war die Lage angespannt.

Angesichts steigender Pegelstände rief die sächsische Landesregierung die Bevölkerung zur Vorsicht auf. Anwohner in betroffenen Gebieten sollten Vorkehrungen treffen. Im Laufe des Montags sei mit einer Zuspitzung der Lage zu rechnen.
Auch in Thüringen stieg das Hochwasser der Flüsse bedrohlich, ganze Stadtteile liefen voll. Die Behörden hatten für mehrere Orte Katastrophenalarm ausgelöst, unter anderem für Gera. Dort wurden in der Nacht zum Montag Einwohner aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen - allerdings auf freiwilliger Basis, wie eine Sprecherin der Stadt betonte.

Die Kleinstadt Gößnitz wurde am Sonntag hingegen komplett evakuiert, Teile von Greiz standen unter Wasser. Einsatzkräfte brachten Menschen teils mit Booten in Sicherheit. In Serbitz (Altenburger Land) brach ein Damm auf einer Länge von 50 Metern. Derweil stieg auch in Greiz der Wasserstand der Weißen Elster auf 4,90 Meter. In der Nacht wurden dort rund 120 Menschen in Sicherheit gebracht.

In Sachsen-Anhalt schwollen die Flüsse Saale, Unstrut und Weiße Elster weiter an. In Halle wurde ein Pflegeheim evakuiert. In der Stadt, im Saalekreis sowie im Landkreis Mansfeld-Südharz wurde nach Angaben des Innenministeriums wegen steigender Wasserstände der Saale die höchste Hochwasserwarnstufe 4 ausgerufen.

In den Hochwassergebieten Baden-Württembergs entspannte sich die Lage inzwischen, wie das Lagezentrum des Innenministeriums mitteilte. Auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar blieb der Schiffsverkehr aber weiter eingestellt. Am Mittelrhein wurden weitere Überschwemmungen erwartet.

Auch einige Nachbarländer waren von Wassermassen bedroht. Am Abend rief die Regierung in Prag den Notstand aus. Die Maßnahme in Tschechien gelte in allen Regionen mit Ausnahme der Region Pardubice, sagte Ministerpräsident Petr Necas im Tschechischen Fernsehen. An mehr als 50 Orten Tschechiens galt die höchste Warnstufe 3. In Polen kam es vor allem im Südwesten des Landes zu Überschwemmungen.

Auch in weiten Teilen Österreichs spitzte sich die Lage zu. Vielerorts wurden Evakuierungen angeordnet. An der Donau drohte bei weiter steigenden Pegelständen bis spätestens Dienstag eine Neuauflage des „Jahrhunderthochwassers“ von 2002. Bislang gab es mindestens einen Toten durch Überflutungen. Zwei weitere von Wassermassen mitgerissene Menschen wurden bis zum späten Sonntagabend noch vermisst. (dpa)


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