24.08.2016
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Katastrophenschiff: Australier baut die „Titanic“ nach

Nächster Halt Eisberg: Das letzte bekannte Foto der Titanic.

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rtr

New York -

Milliardär Clive Palmer baut eine Rekonstruktion Seine Persönlichkeit, sagen sie in Australien, ist „larger than life“. Überlebensgroß. Und das liegt nicht daran, dass Clive Palmer nach einer Abmagerungskur noch immer 122 Kilo wiegt. Der 58-jährige Milliardär leidet unter Atemstillstand während des Schlafs, dem Schlafapnoe-Syndrom. Er schläft mit Sauerstoffmaske.

Umso erstaunlicher ist es, wie viel der reichste Mann des australischen Sonnenscheinstaats Queensland jeden Tag auf die Beine stellt und wie viel Luft er zum Reden hat. Derzeit spricht er unaufhörlich über seinen Plan, das am 15. April 1912 gesunkene Katastrophenschiff „Titanic“ nachbauen zu lassen. Am Dienstag findet eine Präsentation des Projekts in New York statt. Ende 2016 soll der mit Klimaanlage aufgepeppte und wesentlich mehr Rettungsbooten als das Original ausgestattete Ozeanriese seine Jungfernfahrt erleben.

Der selbst von Freunden als direkt, streitsüchtig, chaotisch und aufbrausend beschriebene Australier wähnt sich in einem Stadium seines Lebens, in dem es egal ist, „ob ich mit einer Investition Geld verdiene oder verliere“. In einem Interview mit der Zeitung „The Australian“ erklärte Palmer, wie er auf die Idee mit der Titanic II kam: „Wenn sich Australier ihrem Lebensabend nähern, bauen sie ein Boot oder einen Wohnwagen oder reisen rund um die Welt. Ich gehöre zu jenen, die ein Boot bauen.“
Dank guter Geschäfte in der Immobilienbranche wurde der in einfachen Verhältnissen in Williamstown in der Nähe von Melbourne aufgewachsene Clive Palmer so reich, dass er sich früh zur Ruhe setzte. Als Langeweile und Körperumfang zunahmen, investierte er in Kohle, Eisenerz, Nickel und Kobalt. Hinzu kommen drei Hotelresorts, fünf Golfplätze und die Werft in Nanjing (China), die seine Frachtschiffe und jetzt die Titanic II baut. Palmer besitzt diverse Luxusvillen, fünf Privatflugzeuge, mehrere Jachten, 100 Oldtimer und 150 Rennpferde. In seinen Hotels sind drei Fernsehkanäle für Filme über sein Leben reserviert.

Aber längst nicht alles, was der Superreiche angefasst hat, ist zum Selbstläufer geworden. Den Profifußballklub Gold Coast United, den er 2008 kaufte, fuhr er gegen die Wand. Seine Ambitionen, bei den Parlamentswahlen für die konservative Nationalliberale Partei zu kandidieren, musste Palmer ad acta legen. Er beschimpfte seine Parteifreunde als Buchfälscher und Leichtgewichte. Er ging freiwillig mit den Worten: „Mir kann niemand den Mund verbieten.“