30.07.2016
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Loveparade-Unglück: Angehörige müssen weiter warten

Die Zugangsstraßen zum Love Parade-Gelände waren 2010 völlig überfüllt.

Die Zugangsstraßen zum Love Parade-Gelände waren 2010 völlig überfüllt.

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dpa

Duisburg -

Im Sommer jährt sich die Loveparade-Katastrophe zum fünften Mal. Und noch immer gibt es kein Datum für einen Strafprozess. Die Angehörigen warten seit Monaten darauf, dass die Anklage zugelassen wird. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, könnte sich die Prüfung des Landgerichts Duisburg noch weiter verzögern.

Rampe gehört nicht zum Gelände

Grund sei ein neues Gutachten. Dieses habe der Verteidiger eines Bauamtsmitarbeiters der Duisburger Stadtverwaltung eingereicht. Der Verteidiger beantrage, das Hauptverfahren gegen seinen Mandanten gar nicht erst zu eröffnen. Dem Magazin zufolge zieht der Verteidiger aus dem 139-seitigen Gutachten den Schluss, dass die Mitarbeiter des Bauamts allein aus dem Grund nicht angeklagt werden dürften, weil die Rampe, auf der es zur tödlichen Massenpanik kam, nicht zum Festgelände gehört hätten. Die Nutzungsänderung, die das Bauamt für die Loveparade genehmigt hatte, gelte laut Gutachten ausschließlich für das Festgelände, nicht aber für die Unglücksstelle. Mitarbeiter des Bauamtes seien demnach nicht für die Todesfälle zur Verantwortung zu ziehen, heißt es weiter.

Am 24. Juli 2010 waren bei der Katastrophe 21 Menschen gestorben, mehr als 500 wurden verletzt. Nach der Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft vor einem Jahr war es zu Verzögerungen gekommen. Die Betroffenen fürchteten, dass wichtige Fristen verstreichen und der Prozess am Ende ganz platzen könnte. „Ohne Rechtsprechung können die Hinterbliebenen keinen Schlusspunkt finden“, sagte der Sprecher der Opfer, Jörn Teich, kürzlich.

Die Staatsanwaltschaft hat zehn Beteiligte angeklagt, dazu gehören Verwaltungs- und Polizeimitarbeiter, aber nicht der Veranstalter selbst und auch nicht der damalige (inzwischen nicht mehr amtierende) Oberbürgermeister Duisburgs, Adolf Sauerland (CDU).

Gedenkstätte verwüstet

Derweil haben Unbekannte erneut die Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade in Duisburg verwüstet. Nach Polizeiangaben zerstörten die Täter die aufgestellten Grablichter, Dekorationen und Kränze. Die Polizei ermittelt. Vor einem halben Jahr war es bereits zu ähnlichen Verwüstungen gekommen. (ksta, dpa)