29.08.2016
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Mordanschlag mit Auftrag: Zwei Rocker angeklagt, Killer geflohen

Ein Totenkopf mit Flügeln ist das Symbol der Motorradgang Hells Angels.

Ein Totenkopf mit Flügeln ist das Symbol der Motorradgang Hells Angels.

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dpa

Berlin -

Knapp ein Jahr nach einem Mordanschlag auf einen führenden Rocker der Berliner Hells Angels hat die Staatsanwaltschaft zwei verdächtige Ex-Rocker angeklagt. Ein 52-jähriger soll demnach den Anschlag bei einem Killer in Auftrag gegeben haben, ein 63-Jähriger den Kontakt hergestellt haben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner am Donnerstag.

Damit wurde ein Bericht der „Bild“-Zeitung vom selben Tag bestätigt. Die Ermittler werfen den Männern versuchten Mord, Anstiftung und gefährliche Körperverletzung vor.

Durch Handydaten auf die Spur

Der namentlich bekannte Schütze sei noch auf der Flucht. Er soll sich nach Osteuropa abgesetzt haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass er für den Anschlag 10.000 Euro bekam. Die beiden anderen Verdächtigen waren im November des Vorjahres von Elitepolizisten des Berliner Spezialeinsatzkommandos überwältigt worden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Die Ermittler vermuten als Hintergrund clubinterne Streitigkeiten.

Der angeschossene André S. überlebte schwer verletzt. Er lag zeitweise im Koma. Mit den Ermittlern redete der Chef der Untergruppe Nomads nicht.

Die Ermittler kamen laut Sprecher den Verdächtigen durch die Auswertung von Handydaten auf die Spur. Nach dem Anschlag hatte die Staatsanwaltschaft zusammen mit der Polizei die sogenannte Rocker Task Force mit Oberstaatsanwalt Jörg Raupach an der Spitze gegründet. Raupach hatte nach der Festnahme der beiden Verdächtigen gesagt, ein Teil der vereinbarten Summe sei vermutlich nicht an den Auftragskiller gezahlt worden, weil der Anschlag misslang.

Die Ermittler vermuten, dass sich der heute 52-jährige, mutmaßliche Anstifter für seinen Ausschluss als Ex-Rockerchef rächen und so seine alte Machtposition zurückerlangen wollte. Er soll wegen Unregelmäßigkeiten in der Vereinskasse unehrenhaft ausgeschlossen worden sein. Im Mai 2011 überlebte er selbst einen Anschlag nur knapp. (dpa)