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NRW: Rockerkrieg im Rotlicht-Viertel

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Mitglieder der Bandidos. Foto: dpa
Eine neue Gang in NRW lässt den Rocker-Konflikt eskalieren. Zu den Angels und den Bandidos hat sich eine dritte Gruppierung gesellt, die als besonders gewaltbereit geltenden „Satudarah“. Deren ausgeprägter Expansionsdrang stört die Kreise empfindlich.  Von
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Duisburg

Der grün-weiße Polizeibus gehört inzwischen zum Inventar der Charlottenstraße wie die Türsteher vor den Sex-Clubs und die leicht bekleideten jungen Frauen, die sich vor ihren Etablissements fröstelnd eine Zigarettenpause gönnen. Den Anwohnern will man durch die Rund-um-die-Uhr-Präsenz ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. In erster Linie aber soll von der sichtbaren Anwesenheit der Staatsmacht ein Signal an verfeindete Motorradgangs ausgehen, deren Reviere exakt hier im Duisburger Rotlichtviertel aneinanderstoßen, es mit ihren Fehden nicht zu wild zu treiben. Mit den Schüssen auf das Auto eines Duisburger Hells Angels vor einem Oberhausener Fast-Food-Restaurant hatten die gewalttätigen Auseinandersetzungen im Ruhrgebiet einen neuen Höhepunkt erreicht.

Der untere Teil der Charlottenstraße, wo sich mühelos jede Schimanski-Folge mit Duisburger Schmuddelimage drehen ließe, ist Bandido-Terrain. Die Bordells weiter oben werden eher den Hells Angels zugerechnet, weiß man im Polizeipräsidium. „Sex Palace“, „Blue Moon“ oder „No. 69“ heißen die einschlägigen „privaten Party-Treffs“. Sie dienen nach Erkenntnissen der Polizei, sagt Sprecher Ramon van der Maat dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, auch als Drogen-Umschlagplätze. Der Handel mit Stoff aus den nahen Niederlanden gehört traditionell zu den wichtigsten Einnahmequellen krimineller Rockergruppen, ebenso wie Prostitution, Menschenhandel und Schutzgelderpressung. Duisburg gilt bundesweit als eine Hochburg der Rocker-Szene.

Gefährliche Nahstelle

Die 24-Stunden-Bereitschaft der Polizei an dieser durchaus gefährlichen Nahstelle hat für relative Ruhe gesorgt. Das „Vereinslokal“ des Bandido-Motorradclubs in einem heruntergekommenen Jugendstilhaus mit greller gelb-roter Fassade und nicht zu übersehenden Überwachungskameras im ersten Stock wirkt trotz des „Open“-Schilds gewollt abweisend. „Zutritt nur für Mitglieder und geladene Gäste.“ Die schwere Eisentür hat natürlich einen Spion.

Früher, erzählt ein Sozialarbeiter, der die Rocker-Szene seit langem kennt, habe der Bandidos-Treffpunkt mit dem klangvollen Namen „Fat Mexican“ ausgerechnet einem Gerichtsvollzieher gehört. Das zeige, dass zumindest unter den etablierteren Aktivisten durchaus Leute vertreten seien, die regelmäßigen legalen Tätigkeiten nachgehen. Allerdings sei der Essener Justiz, in deren Auftrag der Mann Geld eintrieb, die Sache irgendwann zu bunt geworden und sie habe den bekennenden Bandido in den Innendienst versetzt. Unter den „Alt-Rockern“ gebe es zum Beispiel auch Stahlwerker und Feuerwehrleute ohne Vorstrafenregister.

Die klassischen Rocker, die mit ihrem martialisch wirkenden Outfit brave Bürger in Schrecken versetzt hätten, aber höchstens durch Kleinkriminalität auffällig geworden seien, gehören einer aussterbenden Spezies an. Während früher „Einmal Hells Angel, immer Hells Angel“ praktisch Gesetz war, ist die Szene heute viel unübersichtlicher. Offenbar ist die Identifikation mit der eigenen Gruppe geringer. Es gibt auch „Überläufer“, die von einer in die andere rivalisierende Gang wechselten. Das macht die Ermittlungen der Polizei komplizierter.

„Das sind Heißsporne“

Zu Angels und Bandidos hat sich seit etwa drei Jahren eine dritte Gruppierung gesellt, die als besonders gewaltbereit geltenden „Satudarah“. Deren ausgeprägter Expansionsdrang stört die Kreise, denn alle drei Gruppen gehen mehr oder weniger den gleichen Geschäften nach und müssen sich den Kuchen teilen. Das ist zumindest eine Erklärung für den nun aufgeflammten „Krieg“ um die Vorherrschaft im Ruhrgebiet. „Das sind Heißsporne, die aus nichtigen Anlässen aufeinander losgehen“, sagt van der Maat. Der Angriff auf den BMW eines Angels-Unterstützers vergangenen Sonntagnachmittag auf dem Burger-King-Parkplatz in Oberhausen-Sterkrade wirkt gezielt. Vermutungen deuteten auf einen Racheakt für eine Attacke von Hells Angels auf einen Satudarah hin.

Doch nach den bisherigen Ermittlungen steht der in Köln festgenommene Schütze den Bandidos nahe. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Der Platz, auf dem häufig Trödelmärkte stattfinden, ist auch am Wochenende hell beleuchtet. Vier Einschüsse trafen eine angrenzende Hauswand. „Wildwest in Sterkrade“ sagt ein Rentner, der einen Kasten Sprudel im Kofferraum verstaut.

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