29.07.2016
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Prostituiertenbanden: Nachtschicht auf Mallorca

Sieht aus wie ein Prostituierte, hat es aber möglicherweise nur auf die Wertsachen des Sextouristen abgesehen.

Sieht aus wie ein Prostituierte, hat es aber möglicherweise nur auf die Wertsachen des Sextouristen abgesehen.

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dpa

Madrid -

Der Mann hatte Glück. Als er gegen halb sechs Uhr morgens die Calle Llaüt an der Playa de Palma entlanglief, näherten sich ihm zwei Prostituierte. Ohne lange zu zögern, fingen sie an, ihn zu begrapschen. Der 35-jährige Spanier ahnte, dass die beiden Frauen nichts Gutes im Schilde führten und schubste sie von sich. Das machte sie wütend. Eine von ihnen griff eine leere Wodkaflasche, schlug den Hals ab und bedrohte den Mann damit. Der Mann rief um Hilfe. Zwei Polizisten, die zufällig in der Nähe mit ihrem Streifenwagen unterwegs waren, hörten ihn und kamen herbei. Sie nahmen die beiden Frauen, die eine noch mit dem abgebrochenen Flaschenhals in der Hand, fest.

Das geschah vor vier Wochen. Die Geschichte ist kein Einzelfall. Ungewöhnlich an ihr ist nur, dass sie einen Einheimischen traf, der von den Umtrieben einiger Prostituierter bereits gehört hatte und sich deswegen sofort zu wehren versuchte.

Normalerweise sind die Opfer Touristen, am liebsten Angetrunkene, die glauben, dass ihnen die Frauen ihre Dienste anbieten wollen – während sie es in Wirklichkeit auf ihre Wertsachen abgesehen haben. Die Mallorquiner sind besorgt um das Image ihrer Insel. Die Lokalzeitung „Diario de Mallorca“ hat an diesem Wochenende in einer ausführlichen Reportage das Vorgehen der Prostituiertenbanden beschrieben.

Nach dem Zeitungsbericht leben die meisten der Frauen, Nigerianerinnen, im Stadtteil Son Gotleu im Osten der Inselhauptstadt Palma de Mallorca. Gegen Mitternacht nehmen sie den letzten Bus zur acht Kilometer entfernten Playa de Palma, einer der Hochburgen des ausländischen – vor allem deutschen – Tourismus auf Mallorca. Etwa 200 Frauen verteilen sich in Vierer- oder Fünfergruppen in den Straßen rund um die Strandbar Balneario 6 (unter Deutschen als „Ballermann 6“ bekannt). In den ersten Stunden bieten sie Sex an. Je weiter die Nacht voran schreitet, umso intensiver halten einige von ihnen Ausschau nach alkoholisierten Nachtschwärmern.

„Sie sind wie Löwinnen auf der Jagd“, zitiert die „Diario de Mallorca“ einen Spanier, der an der Playa de Palma arbeitet. „Sie suchen sich immer das leichteste Opfer aus, das heißt, den Touristen, der am betrunkensten ist. Sie umringen ihn und stürzen sich auf ihn. Und bevor er es gemerkt hat, haben sie ihm die Brieftasche weggenommen und sind verschwunden.“ Nach getaner Arbeit nehmen die Frauen den ersten Bus am frühen Morgen zurück nach Son Gotleu.

Berichte von bestohlenen Touristen sind nicht nur von der Playa de Palma, sondern auch aus Magaluf, weiter im Westen der Insel, zu hören. Dort sind die Opfer zumeist Briten. Schon seit Jahren klagen viele Mallorquiner über die zunehmende Prostitution auf ihrer Insel, die vor allem von den Besuchern in Anspruch genommen wird. „Manchmal sehen wir sie, wie sie mit einem Touristen da hinten ins Gestrüpp gehen, während hier auf der Terrasse noch Leute zu Abend essen“, erzählt ein Kneipier von der Playa de Palma. Prostitution ist in Spanien nicht verboten. Das Ausrauben nichtsahnender Männer schon.


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