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In Traurigkeit heiter: In Heiterkeit traurig

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Sabine Meyer 

29. Januar 2013 - Sabine Meyer und das Radio Symphonieorchester Wien spielen Mozarts Klarinettenkonzert. Mozart soll die Klarinette als etwas menschlich-Beseeltes behandelt haben. Was hat es damit auf sich? Erfahren Sie es hier.

Nachdem Mozart 1778 das berühmte Mannheimer Orchester mit Klarinetten gehört hatte, schrieb er wehmütig an seinen Vater in Salzburg: »Ach, wenn wir [in Salzburg] nur auch clarinetti hätten! – sie glauben nicht was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten einen herrlichen Effect macht.« Später bedachte er das Instrument in seinen Bläserserenaden, Symphonien, Konzerten und Opern mit dankbaren Partien. Als durchgängiges Soloinstrument tritt die Klarinette in Mozarts OEuvre aber nur dreimal in Erscheinung, nämlich im sogenannten Kegelstatt- Trio KV 498 aus dem Jahre 1786, im Klarinettenquintett KV 581 aus dem Jahre 1789 und im Klarinettenkonzert KV 622 aus dem Jahre 1791. Alle drei Werke verdanken wir Mozarts Freundschaft mit dem Klarinettisten Anton Stadler, der seit 1782 in Diensten des Kaisers stand. Er war ein angesehener Musiker, erwarb sich als gelernter Instrumentenbauer aber auch Verdienste um die klangliche Optimierung der Klarinette. So entwickelte er unter anderem die im tiefen Register um vier Halbtöne erweiterte Bassettklarinette. Für dieses Instrument schrieb Mozart je ein Quintett und Konzert. Letzteres ging aus Mozarts Entwurf eines Konzertes für Bassetthorn hervor, aus dem zwei Jahre später das »Konzert für Bassettklarinette« wurde, das sein letztes Werk für Soloinstrument und sein einziges Konzert für dieses Instrument überhaupt bleiben sollte.

Es sind gerade die radikalen Registerwechsel gepaart mit extremen Intervallsprüngen, die den besonderen Reiz dieses Konzertes KV622 ausmachen, welcher ausbleibt, wenn man die tiefe Lage ausspart und in die Mittellage versetzt (um das Werk auch mit einer herkömmlichen Klarinette spielen zu können). Für Sabine Meyer, eine der gefragtesten Klarinetten-Solistinnen, gleicht dies einem Sakrileg; in einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk bemerkte sie dazu, dass ein Pianist ja auch nie ein Klavierkonzert spielen würde, wenn ihm die untere Oktave fehle und alles in die Mittellage versetzt werden müsste. Mozart behandelte die Klarinette mit ihren weiblichen Stimmlagen vom Sopran bis zum tiefen Alt als etwas menschlich Beseeltes und Sinnliches und lässt sie nahezu »menschliche« Züge annehmen, indem er die unterschiedlichen Stimmlagen als Affektbereiche ein und desselben vielschichtigen Charakters begreift. Kaum ein Komponist verstand es so wie er, die Farben und dynamischen Schattierungsmöglichkeiten dieses Instruments auszukosten – und das »ohne jede Exhibition von Virtuosität « (Alfred Einstein). Schließlich offenbart dieses betont sangliche Konzert eine bemerkenswerte Paradoxie: Obwohl für die öffentliche Aufführung bestimmt, ist es – trotz der Verspieltheit des Rondos und den vielfach eingestreuten heiteren Gedanken in allen Sätzen – doch auffallend zurückgenommen und intim, ja tiefgründig traurig. Dieses Überhandnehmen von traurigen Gedanken und schmerzvollen Wendungen selbst in »heiteren« Dur-Tonarten stellt gewissermaßen einen Grundzug des Mozartschen Spätwerks dar. Die einen sprechen von der »Melancholie« Mozarts (der französische Dichter Stendhal), der russische Politiker Georgi W. Tschitscherin umschrieb es in seiner Mozart-Studie als den »unentwegt bohrenden, tief innen sitzenden, dabei nicht selten hinter einem sichtbaren Lächeln lauernden Schmerz, mit einer wahrnehmbaren seltsamen Klarheit über innerem Dunkel«. Um es mit den Worten des Priesters und Philosophen Giordano Bruno allumfassend auszudrücken: »In Traurigkeit heiter, in Heiterkeit traurig«. Und auch wenn das Adagio des Konzerts auf Abwegen (Film-)Geschichte geschrieben hat und viele es für alle Zeit mit Robert Redford, Meryl Streep und der Weite des afrikanischen Nachthimmels verbinden – das Radio Symphonieorchester Wien und Sabine Meyer
werden ihre eigene traurig-heitere Geschichte erzählen.

Termin: 29.01.2013

Dienstag 20:00
Sabine Meyer Klarinette

Radio Symphonieorchester Wien
Cornelius Meister Dirigent

Richard Strauss

Don Juan op. 20 TrV 156 (1888)
Tondichtung (nach Nikolaus Lenau) für
großes Orchester

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klarinette und Orchester ADur
KV 622 (1791)

Béla Bartók
Konzert für Orchester Sz 116 (1943)
€ 48,– 42,– 38,– 27,– 19,– 10,– | Z: € 38,–

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