Philharmonie

Vorlesen
0 Kommentare

Leszek Możdżer solo: From Chopin to Komeda

Erstellt
Drucken per Mail
Leszek Możdżer. 

16. März - »Leszek Możdżer« vollbringt das Wunder an der Weichsel - ihm gelingt es, dass die Polen Jazz hören. Der Michel Polnareff unter den Osteuropäern gastiert nun in der Kölner Philharmonie und begeistert am Piano.

Hoppla, hat da etwa jemand unsere östlichen Nachbarn unterschätzt? Steht dort nicht schon seit jeher die improvisierte Musik in hoher Wertschätzung, zählen nicht die polnischen Jazzmusiker - Tomasz Stańko, Michał Urbaniak, Urszula Dudziak, Zbigniew Seifert - zu den besten der Welt? Zumindest in einem Punkt jedoch muss man dem hier zitierten Musikkritiker der »Gazeta Wyborcza« Recht geben: Der Pianist Leszek Możdżer vollbringt das Kunststück, die reiche musikalische Tradition der polnischen Romantik, die sich in erster Linie an Chopin, Moniuszko, Fontana oder Dobrzyński festmacht, mit dem improvisatorischen Duktus des zeitgenössischen Jazz zu verknüpfen. Und dies mitunter auch mit Marketing-Methoden, die an westliche Popstars erinnern. So begegnet einem der 42-Jährige, der ein wenig dem französischen Chanson-Exzentriker Michel Polnareff ähnelt, in polnischen Fachgazetten als farbig-hochglänzender Titelaufmacher, und in seiner Heimatstadt Danzig kann es schon einmal vorkommen, dass Werbeplakate für seine CDs gleich massenhaft an den Wänden kleben.


Mit derlei Vorschusslorbeeren ausgestattet, bestand hierzulande eine recht hohe Erwartungshaltung in Bezug auf sein letztjähriges deutsches Solo-Debüt – freilich bei einem Label, das ihn bereits in Verbindung mit dem schwedischen Jazz-Bassisten Lars Danielsson präsentiert hatte. Insofern wusste man bereits um Możdżers Vorliebe für ausgeschmückte melodische Klänge à la Chopin, wie er sie jahrelang in Polen erfolgreich praktizierte. Stilistisch bewegt sich Możdżer in einem zeitlosen modernen Jazzrahmen europäischer Prägung. Einer der ersten, der sich vom oft kopierten amerikanischen Vorbild früh zu lösen wusste, war Możdżers Landsmann, der Pianist und Komponist Krzysztof Komeda.


Er ist es zur Hauptsache, dem Możdżer sein neues Programm gewidmet hat, das er auch in Köln vorstellen wird. Komeda war bekannt dafür, dass er eine sehr bildhafte Sprache in seine Kompositionen hat einfließen lassen – was wunder, angesichts der vielen Verpflichtungen, die Komeda als Filmkomponist hatte. Unvergessen sein Soundtrack zu Roman Polanskis Horrorthriller »Rosemaries Baby«, dessen schaurig-schönes Wiegenlied von der Hauptdarstellerin Mia Farrow selbst gesungen wird. Unter Możdżers Händen gerät dieses betörend unschuldige Stück, »Sleep Safe and Warm«, zur romantisierten Blaupause für ein Programm, dessen Urheber seinen klassischen Hintergrund kaum verhehlen kann. Warum sollte er auch?

Dass im Vergleich zu seinem Trio mehr weiche Konturen aufkommen, ist zu erwarten. Da werden zarte Melodien mit höchster Subtilität in ungeahnt differenzierter Klanggestaltung vorgetragen, aus der sich ein Diskurs von enorm verführerischem Sog zu entfalten vermag. Kein Gedanke an übermütige oder gar angeberische Posen und Pointen stört das vertrauliche Einvernehmen zwischen Künstler und Publikum. Możdżers Spiel ist von einer Intimität, bei der den Zuhörer fast ein Gefühl der Scham überkommt. Man denkt bei ihm instinktiv an Seelenverwandte wie den Pianisten Bill Evans und dessen »Conversations With Myself«, die berühmte Einspielung von 1963. »Komeda lässt solch ungeheuren Raum für einen improvisierenden Musiker«, schwärmt Leszek Możdżer. »Betrachtet man die Noten, kann man sagen, Komeda betrachtet den Ausführenden als Partner. Er vertraut seinen Interpreten, das sehe ich in den Kompositionen.«

16.03.2013
Samstag 20:00


Leszek Możdżer Klavier
Leszek Możdżer solo: »From Chopin to Komeda«


€ 25,–

Homepage der Kölner Philharmonie
Konzertreihen
Wer weiß es?

Wann wurde die Kölner Philharmonie eröffnet?

Interaktiver Saalplan
Veranstaltungssuche
Service

Impressum

Sonderveröffentlichungen der Zeitungsgruppe Köln

Verantwortlich
Redaktion Marco Morinello
Anzeigen Karsten Hundhausen

Verlag
M. DuMont Schauberg
Expedition der Kölnischen Zeitung GmbH & Co. KG
Neven DuMont Haus
Amsterdamer Straße 192
50735 Köln

Ihre Werbung auf ksta.de - Hier informieren