27.07.2016
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„Alternative für Deutschland“ im Aufwind: Warum mehr Männer als Frauen die AfD wählen

AfD-Chefin Frauke Petry.

AfD-Chefin Frauke Petry.

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REUTERS

Berlin -

Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) steigt in der Wählergunst immer weiter auf. Laut Emnid-Sonntagstrend erreicht die asylkritische Partei unter Parteichefin Frauke Petry inzwischen im Bundesschnitt zehn Prozent der Stimmen. Damit wäre sie hinter der CDU/CSU mit 36 Prozent und der SPD mit 25 Prozent drittstärkste Kraft – wenn Sonntag Bundestagswahl wäre. Doch noch etwas anderes ist an der neuesten Umfrage interessant: Demnach würden 17 Prozent der Männer, aber nur zwei Prozent der Frauen die AfD wählen. Was steckt dahinter?

Statistische Ausreißer durch geringe Zahl der Befragten

Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner relativiert zunächst die Zahlen: „Die Ergebnisse sind aufgrund der kleinen Fallzahlen so nicht real. Das erklärt die statistischen Ausreißer.“ Unter beispielsweise 1000 Befragten wären rund 400 Nichtwähler, die gar keine Partei angäben. Danach blieben etwa 600 Befragte übrig. Bei zehn Prozent, die dann die AfD wählten, sind das gerade mal 60 Menschen. Auch wenn bei der aktuellen Umfrage 1875 Menschen befragt wurden, sei diese Zahl immer noch zu gering, um eine zuverlässige Aussage über die Geschlechterverteilung zu gewährleisten.

Dass aber mehr Männer als Frauen die AfD wählen, stimmt trotzdem. Allerdings sei der Unterschied nicht so eklatant. „Realistisch ist, dass etwa doppelt so viele Männer wie Frauen die Partei wählen“, sagt Schöppner, Geschäftsführer des Instituts Mentefactum und langjähriger Chef des Marktforschungsinstituts Emnid. Und das hat Gründe.

Offensivere Protestkultur bei Männern

Die AfD sei eine Protestwählerpartei, die vor allem Männer anziehe, da sie ein offensiveres Protestverhalten als Frauen an den Tag legten, erklärt Schöppner. Das betreffe besonders die einfachen Arbeitnehmer zwischen 45 und 60 Jahren. Vor allem ältere Frauen lebten keine vergleichbare Protestkultur.

In vielen Familien sei außerdem der Mann der Ernährer und daher auch derjenige, der sich stärker vor den Veränderungen im Land fürchte – vor allem den eigenen Jobverlust. „Viele können nicht verstehen, wie die Regierung so viel Geld für Flüchtlinge übrig hat“, sagt Schöppner. „Sie haben das Gefühl, dass nichts für sie getan wird und sind enttäuscht.“ Viele konservative Wähler fänden sich in der aktuellen Regierungspolitik nicht mehr wieder. Diese Enttäuschten wechselten zur AfD – oft auch, weil sie sich von der CDU nicht vertreten fühlten.

Größte Unterschiede in Ostdeutland

Dass die Zahlen tatsächlich auch nicht so weit auseinanderklaffen wie in der jüngsten Umfrage, zeigen auch die Zahlen der jüngsten Landtagswahlen. So waren es tatsächlich immer mehr Männer als Frauen, die die AfD wählten, jedoch war der Unterschied deutlich geringer als nach der Emnid-Umfrage. So wählten beispielsweise 2015 in Bremen sechs Prozent der Männer die AfD und vier Prozent der Frauen.

Den größten Unterschied gab es in Ostdeutschland. 2014 wählten in Brandenburg 15 Prozent der Männer und zehn Prozent der Frauen die Partei, in Sachsen war das Verhältnis elf zu acht. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Forsa-Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von November 2015. Danach sind 72 Prozent der AfD-Anhänger männlich und 28 Prozent weiblich. Der Anteil der männlichen AfD-Wähler stieg von 2014 auf 2015 um drei Prozent.


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