29.07.2016
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Brauchtum: Linkspartei fordert Ende von St. Martin

St. Martins-Laternen

Mit vielen hunderten Laternenumzügen wird derzeit an die Geschichte vom heiligen Martin erinnert.

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dpa

Köln -

Die Linkspartei in Nordrhein-Westfalen fordert eine Umbenennung der Laternenumzüge zu Sankt Martin. Aus Rücksicht gegenüber muslimischen beziehungsweise nichtchristlichen Kindern solle die Tradition abgewandelt werden, berichtet die in Düsseldorf erscheinende „Rheinische Post“ über eine Forderung der Linkspartei. „Ihnen sollte man die christliche Tradition nicht aufdrängen“, zitierte die Zeitung den Landesvorsitzenden Rüdiger Sagel. Statt Sankt Martin könne ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ gefeiert werden.

Für ihren Vorstoß erntete die Linkspartei Kritik von anderen Parteien und aus dem Erzbistum Köln, das in NRW den Angaben nach rund 37.400 Kinder in über 580 Kindergärten betreut. Ein Name wie „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ sei nur vermeintlich verbindend und komplett inhaltsleer, sagte eine Bistumssprecherin der Zeitung. Zwar sei der interreligiöse Dialog für die katholische Kirche ein wichtiges Ziel, doch es helfe nicht, den eigenen Glauben zu verleugnen. Die Figur des Heiligen Martin könne auch muslimischen Kindern den Gedanken des Teilens nahebringen.

Die Verbannung des Heiligen und die Umbenennung der Umzüge hält auch Michele Marsching, religionspolitische Sprecherin der Piratenpartei, für übertrieben. Kitas und Kindergärten sollten aber darauf achten, dass auch muslimische Feste stärker in die Betreuung integriert würden, sagte sie. Und der kulturpolitische Sprecher der CDU, Thomas Sternberg, sprach in der Zeitung von einer „Schnapsidee“. Ein solcher Vorstoß habe nichts mit politischer Korrektheit, sondern schlichtweg mit Kultur- und Geschichtsvergessenheit zu tun.
Sankt Martin sei eine große historische Figur, sagte Sternberg. Das Gedenken an ihn habe nichts mit Diskriminierung zu tun. „Ganz im Gegenteil: Der Grundgedanke mit den Armen dieser Welt zu teilen, ist etwas, das alle Menschen und Religionen einen sollte.“

Unterdessen vertritt der Zentralrat der Muslime die Ansicht, dass der Teilnahme muslimischer Kinder an St. Martinszügen nichts im Wege stehe. Im Gegenteil, sagte der Vorsitzende des Zentralrats, Aiman A. Mazyek, der dpa in Köln. „Ich habe gerne mit meiner Mutter in der Grundschulzeit mitgemacht. Viele muslimische Familien nehmen das gerne auf, und dieser Laternen- und Fackelzug ist für Kinder und Erwachsene natürlich auch ein Spektakel.“

Dass St. Martin ein katholischer Heiliger sei, stelle für Muslime keinen Hinderungsgrund da. „Das Leben von St. Martin ist doch geradezu vorbildlich, auch für Muslime. Der Gedanke des Teilens spielt im Islam eine große Rolle“, sagte Mazyek. Inzwischen nehmen auch immer mehr muslimische Kinder an den Martinszügen teil. (epd, dpa)


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