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„Dummer Stein“

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Bild: dpa
Ein Besucher geht durch die neue Ausstellung der dänischen Künstlergruppe Surrend in Berlin.

Berlin - Eine Kunstausstellung der dänischen Künstlergruppe Surrend in Berlin mit satirisch-politischen Karikaturen und Plakaten ist aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. Das teilte das Bezirksamt Mitte am Donnerstag mit. Nach Angaben des Kunstvereins Tiergarten haben "aufgebrachte Muslime" am Dienstag die Ausstellung gestört und verlangt, eines der 21 ausgestellten Poster zu entfernen. "Es folgten konkrete Androhungen von Gewalt, sollte das nicht geschehen", teilte der Kunstverein als Träger der betroffenen Galerie Nord in der Turmstraße mit.

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Der Stein des Anstoßes im wahrsten Sinne des Wortes ist ein Plakat mit dem Bildmotiv der würfelförmigen Kaaba in Mekka, dem zentralen Heiligtum des Islam, hier überschrieben mit der Zeile "Dummer Stein", gefolgt vom Plakat eines Mannes mit typischer jüdischer Hutbekleidung ("Dummer Hut") und weiteren "Serienplakaten" ironischen Inhalts. Die Ausstellung war erst am vergangenen Freitag vom Plakatkünstler und Präsidenten der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, eröffnet worden. Er bezeichnete die Drohungen als "völlig unakzeptabel". Die Gesellschaft dürfe sich Gewaltandrohungen gegenüber Kunstwerken nicht beugen.

"Muslime in Europa müssen akzeptieren, dass sie nicht eine Kunstausstellung in einer Galerie zensieren können", betonte der Kunstverein in einer Pressemitteilung. "Meinungs- und Kunstfreiheit sind zentrale Werte unserer demokratischen Gesellschaften und brauchten über 200 Jahre, um sich in Europa zu etablieren. Sie sind die Grundlage unseres Zusammenlebens. Es ist inakzeptabel, wenn einzelne gesellschaftliche Gruppen in der Lage wären, durch Drohungen Zensur in Kunst- und Meinungsfreiheit zu üben." Die Galerie werde mit Unterstützung der behördlichen Stellen alles daran setzen, die Ausstellung so schnell wie möglich wieder zugänglich zu machen. "Zurzeit prüfen Bezirksamt Mitte und Landeskriminalamt die Gefahrensituation und arbeiten an einem Sicherheitskonzept."

Mit brisanten Kunstaktionen bekannt geworden

Die dänische Künstlergruppe Surrend ist in den vergangenen Jahren mit brisanten satirischen Kunstaktionen bekannt geworden, unter anderem mit satirischen Postern gegen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Die aktuellen Aktionen seien von der "absurden neonazistischen Verschwörungstheorie ZOG (Zionist Occupied Government)" angeregt, die aber gleichermaßen auch auf die israelische Politik und radikale jüdische Gruppierungen ziele, heißt es im Ausstellungstext. Die jetzt in Berlin gezeigten 22 Plakate seien von Künstlern wie John Heartfield und Klaus Staeck beeinflusst. (dpa)

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