26.07.2016
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Kommentar zum ZDF: Selten war Klopp so sympathisch

ZDF-Moderator Jochen Breyer (l.) wurde von Jürgen Klopp (Mitte) vorgeführt.

ZDF-Moderator Jochen Breyer (l.) wurde von Jürgen Klopp (Mitte) vorgeführt.

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ZDF-Mediathek Screenshot

Normale Menschen träumen oft davon, einmal ins Fernsehen zu kommen. Leute vom Fernsehen scheinen dagegen davon zu träumen, in die Zeitung zu kommen. Oder auf Youtube. Oder sonst wie ins Internet. Und sie sind auch in der Lage, so etwas generalstabsmäßig zu planen. Das ZDF kann das offenbar besonders gut. Man braucht dazu nur ein Spiel, das Borussia Dortmund mutmaßlich verlieren wird, den Trainer Jürgen Klopp, des weiteren ein Mikrofon, einen, der es hält und daneben am besten Oliver Kahn, der am bedrohlichsten wirkt, wenn er nett sein will. Das hat schon zwei Wochen zuvor nach der Niederlage gegen St. Petersburg funktioniert, als Klopp mit Kahn aneinander geriet. Und das funktionierte wieder.

Das Spiel gegen Real Madrid war mit 0:3 Toren verloren, und während Kahn zwischen seinen riesigen Kiefern noch schwer verständliche Sätze zermahlte, erschien Jürgen Klopp mit all den Emotionen, die ein Fußball-Trainer nach solch einem Spiel mit sich herumschleppt. Seine Erregung lag so greifbar vor dem aufstrebenden Moderator Jochen Breyer wie ein tellergroßer Panik-Knopf. Der ZDF-Mann drückte ihn mit dem Satz: „Das Ding ist durch“, der durch mehrfaches Beharren immer bescheuerter wurde, denn es gibt eben noch dieses Rückspiel. Und natürlich wird Dortmund da antreten und mit diesem 0:3 versuchen, was in der Geschichte des Fußballs noch nicht oft, aber schon mal gelungen ist.

Aber nein. „Das Ding ist durch“. Und da war es passiert. Jürgen Klopps Gesicht erlebte ähnliche Verwandlungen wie das von Gary Oldman alias Stansfield im Film-Klassiker „Léon der Profi“, nachdem er seine grün-gelbe Drogenkapsel geschluckt hat. Aber im Gegensatz zum Kino-Bösewicht richtete Klopp, der einem selten sympathischer war, kein Massaker unter den Umstehenden an, sondern beließ es bei einer eher harmlosen Beschimpfung, knallte das Mikro auf den Tisch, umarmte Oliver Kahn und entschwand. Jochen Breyer vom ZDF war am Tag danach in aller Munde und konnte sogar zugeben, dass er eine dumme Frage gestellt hat.

Selten hat ein dämlicher Plan so gut funktioniert.


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