24.07.2016
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„Pille danach“: Irritation um Anruf von Meisner

Weiß von einem Anruf Meisners angeblich nichts: Georg Gänswein, langjähriger Privatsekretär von Papst Benedikt XVI.

Weiß von einem Anruf Meisners angeblich nichts: Georg Gänswein, langjähriger Privatsekretär von Papst Benedikt XVI.

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dpa

Trier -

Der Sekretär von Papst Benedikt XVI., Erzbischof Georg Gänswein, soll den Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, der Lüge bezichtigt haben. Dies behauptet der Osnabrücker Sozialethiker Manfred Spieker. Er beruft sich auf eine an ihn gerichtete E-Mail Gänsweins vom 14. Februar. Darin soll Gänswein geschrieben haben, es sei „nicht wahr“, dass Meisner ihn angerufen und mit ihm über seine Stellungnahme zur „Pille danach“ gesprochen habe. Dies sei „zu dementieren“.

Der Kölner Erzbischof hatte sein Vorgehen im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ am 12. Februar so dargestellt: Nachdem er mit seinem überraschenden Vorstoß, die „Pille danach“ nach einer Vergewaltigung als Verhütungsmittel für ethisch vertretbar zu erklären, an die Öffentlichkeit gegangen war, habe er Gänswein telefonisch informiert. Dieser habe gesagt: „Der Papst weiß Bescheid. Es ist alles in Ordnung.“

Spieker, ein Protagonist der so genannten „Lebensschutz“-Bewegung, war auf Anfrage nicht bereit, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ Gänsweins angebliche E-Mail zur Verfügung zu stellen, zitierte aber im Gespräch daraus. Er betonte, dem Sekretär des Papstes zuvor die entsprechende Passage aus dem Meisner-Interview vom 12. Februar geschickt zu haben. Gänswein soll auch inhaltlich auf Distanz zum Kölner Erzbischof gegangen sein. Er halte das Vorgehen des Kardinals für problematisch und wolle „da Nötige tun, um die Situation in Rom zu klären“. Spieker ließ die Frage offen, ob diese Wiedergabe zutrifft.

Es sei davon auszugehen, sagte der Osnabrücker Wissenschaftler, dass weder die Glaubenskongregation noch die Päpstliche Akademie für das Leben amtlich mit der Erklärung von Kardinal Meisner befasst gewesen seien, sondern dass nur telefonisch oder elektronisch ein schnelles Okay für die Erklärung des Kardinals eingeholt worden sei. Meisner hatte im KStA-Interview die Abstimmung seiner Erklärung mit den römischen Institutionen hervorgehoben.

Spieker attestierte Meisners Stellungnahme eine „fatale Wirkung“. Sie suggeriere, es gebe eine „Pille danach“, die nicht die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter verhindere (Nidationshemmung), sondern nur den Eisprung und damit die Befruchtung (Ovulationshemmung). Tatsächlich hänge die Wirkung der „Pille danach“ davon ab, in welchem Stadium des Monatszyklus‘ sie eingenommen wird.

Der Kardinal, der zurzeit an der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Trier teilnimmt, war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Sein Sprecher Christoph Heckeley bekräftigte einerseits, dass Meisners Erklärung „intensiv“ mit der Akademie für das Leben und der Glaubenskongregation besprochen worden sei. Er wies aber auf ein mögliches Missverständnis von Meisners Aussagen hin. Der Kardinal habe nicht behauptet, Gänswein oder den Papst vorab über seinen Vorstoß in Kenntnis gesetzt zu haben, sondern erst nach der Veröffentlichung seiner Erklärung.

Meisners Kehrtwende in der moralischen Beurteilung der „Pille danach“ war eine Reaktion auf den Kölner Klinikenskandal. Im Dezember verweigerten zwei katholische Krankenhäuser einer vergewaltigten Frau die Behandlung, weil sie fürchteten, sonst auch über die „Pille danach“ beraten zu müssen, deren Verschreibung in katholischen Häusern zum damaligen Zeitpunkt strikt untersagt war.