27.07.2016
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Ermittlungen nach Attentat: Rechtsextreme trainieren in Wäldern um Köln den Kampf mit Messern

Übungen mit einer Stichwaffe in der Nähe von Köln. Die rechte Szene stellt solche Trainings-Videos ins Internet.

Übungen mit einer Stichwaffe in der Nähe von Köln. Die rechte Szene stellt solche Trainings-Videos ins Internet.

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Screenshot: Youtube

Köln -

Ein privates Waldgrundstück in der Nähe von Köln, im Frühjahr 2015. Mit einer Stichwaffe in der Hand steht eine vermummte Frau vor einem mit Jeans und schwarzem T-Shirt bekleideten Mann. Der Angegriffene wirkt ruhig, er nimmt die Hand der Frau und führt das Messer zu seinem Hals. Es sieht so aus, als ob er der Vermummten den optimalen Bewegungsablauf für den Angriff zeigen will. Anderer Tag, anderer Ort. Dieselbe Frau ist dabei, diesmal sind alle Beteiligten vermummt. Auf einer Wiese am Fluss trainiert sie mit drei weiteren Personen den Nahkampf, einer der Beteiligten hat wieder ein Messer in der Hand.

Im Internet kursieren Videos, auf denen Rechtsextreme in NRW den bewaffneten Nahkampf trainieren, unter anderem wohl auch gezielte Stiche in den Hals. Die Aufnahmen, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegen, werden derzeit auch von der Kölner Polizei und der Staatsanwaltschaft überprüft. Ein Zusammenhang zu dem Messerattentat auf die Kölner OB-Kandidatin Henriette Reker sei bislang jedoch nicht erkennbar, sagte ein Ermittler. Grundsätzlich aber sei eine „deutliche Radikalisierung“ der Szene zu beobachten. Dies betreffe auch die Frau, die auf den Videos zu sehen ist.

Frau mit bewegter Neonazi-Vergangenheit

Bei der Vermummten handelt es sich nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ um eine Frau, die Anfang des Jahres unter anderem Kundgebungen von Kögida und Dügida in Köln und Düsseldorf mitorganisiert hat oder dort als Rednerin aufgetreten ist. Sie hat eine bewegte Neonazi-Vergangenheit hinter sich. So saß sie etwa im NRW-Landesvorstand der rechten Nachwuchsorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN). Außerdem wirkte sie redaktionell in den Neonazi-Postillen „Ruhrstürmer“ und „Schwarze Fahne“ mit und soll schon als Jugendliche bei neonazistischen Kameradschaften aktiv gewesen sein.

Ja, sie sei die Frau auf den Videos, bestätigt die 36-Jährige auf Anfrage. Aber bei den Übungen im Wald und am Fluss sei es um „reine Abwehrübungen“ gegangen. Trainiert worden sei sie an jenem Tag von einem NPD-Mitglied aus Krefeld. Man wolle schließlich gewappnet sein, wenn man auf Kundgebungen von Linksautonomen angegriffen werde.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Neonazi-Experte Hans-Peter Killguss die Videos einschätzt.

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