30.07.2016
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Teilnehmerzahlen bei Anti-Islam-Demos in Dresden: Wer hat recht - Polizei oder Pegida?

Wie viele sind's? Die Pegida-Demonstration am 12. Januar in Dresden

Wie viele sind's? Die Pegida-Demonstration am 12. Januar in Dresden

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Dresden -

Fast alle betonen, dass die Zahl der Demonstranten zweitrangig ist. Trotzdem schauen alle genau hin, wenn sich Anhänger und Gegner des Anti-Islam-Bündnisses Pegida montags in Dresden versammeln. Die Zahl der Teilnehmer wird je nach Blickwinkel unterschiedlich interpretiert: als Erfolg für die Zivilgesellschaft, als Beleg für den Frust vieler Menschen, als Indiz für Fremdenfeindlichkeit oder als Ausdruck echter Besorgnis von Bürgern, die sich unverstanden fühlen. Doch woher kommen die Zahlen und wer weiß, ob sie stimmen?

Zählen tun sie alle in Dresden, der Wiege der selbst ernannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“: die Polizei, die Pegida-Organisatoren selbst und das Bündnis „Dresden für alle“, das sich mit seinen Aktionen für eine bunte und weltoffene Stadt einsetzt. Die Veranstalter richten den Blick nur auf die eigenen Leute, die Polizei zählt sie alle.

Wer hat recht?

Und oft gehen die Zahlen auseinander. So sprach die Polizei nach der jüngsten Pegida-Demonstration am 12. Januar von 25.000 Teilnehmern, die Organisatoren hingegen von 40.000. Wer hat recht? Wie zuverlässig sind die Zahlen, und wie geht die Polizei vor?

„Wir halten die Durchgangszählung bei einem Demonstrationszug für die genaueste Methode“, sagt Marko Laske, Sprecher der Dresdner Polizei. Und weil zuletzt immer wieder Zweifel an den von der Polizei genannten Zahlen zur Pegida-Demonstration angemeldet wurden, gehe man nun auf Nummer sicher. „Am vergangenen Montag hatten wir zwei Zählpunkte eingerichtet.“ Beide Ergebnisse hätten nicht weit auseinandergelegen, sagt Laske. Nach einem Abgleich, der immerhin rund eine Stunde dauerte, wurde verkündet: 25.000 Pegida-Demonstranten.

Das Pegida-Bündnis selbst fährt ebenfalls zweigleisig - hier wird gezählt und geschätzt. Die Zählungen erfolgten von Personen in den Demos, teilt ein Sprecher des Organisationsteams mit. Bei den Schätzungen werde die Fläche ausgemessen, auf der die Demonstranten stehen, und dann mit maximal 2,4 Menschen pro Quadratmeter multipliziert.

Pegida-Sprecher: „Objektivität ist unmöglich“

Und warum der Aufwand? Glaubt man den Zahlen der Polizei nicht? „Hierzu muss man zunächst sagen, dass überall, wo Menschen, und erst recht überall, wo politische Interessen im Spiel sind, Objektivität in reinem Sinne unmöglich ist“, sagt der Pegida-Sprecher. Hinzu komme, dass manche Zahlen gar nicht von der Polizei stammten: „Die zur Tillich-Gegendemo beruhte allein auf der Staatskanzlei als Quelle - weder Polizeibericht noch Rathaus-Pressestelle kommunizieren eine Zahl.“

An der Großkundgebung vor der Frauenkirche für Demokratie und Mitmenschlichkeit, zu Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (beide CDU) aufgerufen hatten, sollen 10. Januar 35.000 Menschen teilgenommen haben - bislang absolute Spitze.

Das Bündnis „Dresden für alle“ hält die Debatte grundsätzlich für problematisch. „Natürlich spielt die Größe einer Bewegung eine Rolle“, sagt Sprecher Eric Hattke. „Aber ich halte dieses Zahlenspiel für gefährlich.“ Es lenke von der eigentlichen Thematik ab. Inhalte und Argumente zählten schließlich mehr. „Wir sind es den Menschen schuldig, die bei uns Schutz suchen, uns ernsthaft mit der Problematik auseinanderzusetzen.“

Und dennoch: „Auf unserer letzten Demonstration hat ein Soziologieprofessor von der TU Dresden gezählt“, sagt Hattke. Weil sich die von der Polizei genannten Teilnehmerzahlen sehr stark von den eigenen Einschätzungen unterschieden hätten.

Genau wie bei der Polizei habe man sich angeguckt, wie viele Menschen in dem Demonstrationszug von „Dresden für alle“ nebeneinander hergingen, und dann die Reihen abgezählt. 6800 kam dabei am vergangenen Montag heraus, als Anhänger des Bündnisses beim sogenannten Neujahrsputz mit Warnwesten und Besen loszogen, um den Versammlungsort der Pegida nach der Kundgebung symbolisch zu reinigen. Die Polizei meldete 200 Demonstranten mehr. (dpa)