25.07.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

40. Geburtstag: Ein Tarnbär für Philipp Rösler

Philipp Rösler feiert seinen 40. Geburtstag: Viele Politiker kamen da zum Gratulieren vorbei.

Philipp Rösler feiert seinen 40. Geburtstag: Viele Politiker kamen da zum Gratulieren vorbei.

Foto:

dpa

Berlin -

Mehr als 1000 Menschen freundlich die Hand zu schütteln, das dauert – besonders wenn jeder Fünfte mit einer ausgiebigen Umarmung bedacht und mit (gefühlt) jedem Zehnten für die Fotografen posiert werden muss.

Gut eine Stunde haben Philipp Rösler und seine geduldige Ehefrau Wiebke auf diese Weise ihren Gastgeberpflichten genüge getan, da bricht das Defilee plötzlich ab. Wer jetzt noch in der Schlange steht, dessen Hand bleibt ungeschüttelt. Denn um kurz nach 18.30 Uhr ist der Star des Abends vorgefahren. Und der heißt, auch wenn es der Geburtstag des FDP-Vorsitzenden ist, der hier gefeiert wird, Angela Merkel. „Meine Chefin“, sagt der Vizekanzler später in seiner kurzen Dankesrede unter Verweis auf die Richtlinienkompetenz der Kanzlerin.

Medientaugliche Veranstaltung

40 Jahre ist Philipp Rösler vor ein paar Tagen alt geworden. Er hat sich entschlossen diesen runden Geburtstag nach einer für ihn nicht immer rund gelaufenen Zeit groß zu begehen. Bald ist Bundestagswahl. Und die könnte darüber entscheiden, ob er mit 45 die Politik an den Nagel hängt, wie er es immer wieder betont hat, oder ob die Wähler ihn vorzeitig in den Ruhestand schicken, indem sie seine Partei nicht mehr wählen.

Da kann ein medientauglicher Event nicht schlecht tun, einer obendrein, der nicht nur durch die Zahl, sondern auch durch die politische und gesellschaftliche Position seiner Gäste die Bedeutung des Jubilars unterstreicht.
Dazwischen passt ein nicht nur politischer Freund, den es gerade heftiger erwischt als den seine Machtkämpfe bestehenden Jubilar: CDU-Mann David McAllister, der die Landtagswahl in Hannover gerade verloren hat – obwohl oder weil er Röslers FDP mit einer beispiellosen Zweitstimmenkampagne geholfen hat.

Das Bundeskabinett ist, einschließlich der jüngst zurückgetretenen Bildungsministerin Annette Schavan, fast vollständig angetreten – an der Spitze Finanzminister Wolfgang Schäuble und der ihm nicht immer freundlich zugetane Parteifreund Guido Westerwelle.

Die „Chefin“ antwortet

Zwei Kabinettskollegen haben kamerataugliche Geschenke mitgebracht: Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP), der ihn am liebsten aus dem Amt gejagt hätte, einen Ball der Raufsportart Rugby, Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) einen porzellanenen Buddybären in den Tarnfarben der Bundeswehr.

Auch ohne Geschenk bekommt Patricia Riekel, die als Chefin der Bunten über das Ranking der Prominenz wacht, eine der herzlichen Umarmungen, ebenso Friede Springer, die als Besitzerin der „Bild“-Zeitung noch wichtiger ist. Sie macht sich später am Tisch des Gastgebers nützlich, indem sie, neben Wiebke Rösler platziert, eine der vierjährigen Zwillingstöchter übernimmt, die nicht mehr auf den Schoß der Mama passt.

Für Opposition darf SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier begrüßt werden, der als einziger nicht applaudiert, als die Mehrheit der Feiernden sich die Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition verspricht. Die „Chefin“ kehrt in ihrer Geburtstagsrede den Altersunterschied heraus und schafft so ein Doppeltes: Sie verharmlost die Koalitionsquerelen als Generationsproblem und hält den Jungspund auf Abstand.

Dass er sie mal indirekt mit einem Frosch verglichen hat, der ins kalte Wasser geworfen, erst zu spät merkt, wenn er langsam gekocht wird – Angela Merkel antwortet an diesem Abend. Sie erinnert an Röslers Satz man müsse den Tiger reiten, ohne gefressen zu werden, deshalb wolle er die Politik mit 45 aufgeben. „Du hast es ja mit den Tiervergleichen“, sagt die „Chefin“ und signalisiert: Ich hab's mir gemerkt, Kleiner!