31.07.2016
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Abgesagte „Breaking the Silence“-Ausstellung in Köln: „Kölns Kapitulation ist haarsträubend“

Auf der "Breaking the Silence"-Ausstellung brechen ehemalige israelische Soldaten ihr Schweigen.

Auf der "Breaking the Silence"-Ausstellung brechen ehemalige israelische Soldaten ihr Schweigen.

Foto:

AFP

Köln -

Herr Zimmermann, in Köln wurde die Ausstellung der Organisation „Breaking the Silence“ abgesagt, die kritisch über den israelischen Militäreinsatz berichtet. Wie bewerten Sie das?

Es gibt in der israelischen Politik eine Angst vor Angriffen gegen den Staat Israel und dessen Legitimität. Aus diesem Grund sieht es die Botschaft als ihre Aufgabe an, präventiv zu arbeiten.

Was bedeutet das konkret?

Das bedeutet, dass man im Außenministerium Israels und der Botschaft den Menschen in diesem Fall weniger Freiraum für das Grundrecht der Rede- und Meinungsfreiheit einräumen will, als dies in Israel der Fall ist. Und dies soll sogar für die Meinung von Israelis im Ausland gelten? Es geht hier ja nicht um eine Attacke von Nichtjuden gegen Juden, sondern um Israelis, die ihre Meinung äußern. Ich bin mir nicht sicher, ob der israelische Botschafter selbst daran interessiert ist, die Ausstellung in Köln zu verhindern. Der Pressemann hat wahrscheinlich die Initiative ergriffen.

Soweit zur Aktivität der israelischen Botschaft. Was sagen Sie denn zur Reaktion der Stadt Köln?

Diese Reaktion überrascht mich. Kölns Kapitulation ist haarsträubend. Wenn die Stadt Köln die Grundregeln der Demokratie und freien Meinung richtig versteht, darf sie so etwas nicht tun.

„Es geht nicht um Antisemitismus“

Als Begründung für die Absage der Veranstaltung wird angegeben, man wollen den Antisemitismus nicht schüren.

Es geht hier um Meinungsfreiheit und bestimmt nicht um Antisemitismus. Eine israelische Organisation, die sich für die Aufklärung von Unrecht einsetzt, ist bestimmt keine antisemitische Organisation. Wenn sie sich in Israel äußern kann, warum dann nicht dann auch im Ausland. Wenn man Probleme damit hat, kann man die unterschiedlichen Positionen ja in einer Podiumsdiskussion austragen.

Gibt es in Deutschland zu viel Angst, kritisch gegenüber Israel zu sein?

Es ist ein Schieflage, dass sich eine deutsche Behörde dafür einsetzt, eine Meinung, die aus Israel kommt, zu blockieren. Es ist nicht untypisch für eine deutsche offizielle Haltung, wenn man übervorsichtig ist, wenn es um Israel geht. Man versteht einfach nicht, worum es geht. Es geht hier nicht um das Existenzrecht oder die Legitimität Israels und auch nicht um Antisemitismus. Es geht darum, Taten von Israel in der Öffentlichkeit diskutieren zu können. Ich finde, man muss der israelischen Gesellschaft ein Kompliment machen, dass so eine Organisation wie „Breaking the Silence“ in Israel aktiv werden kann.

Wie wird die Organisation „Breaking the Silence“ in Israel gesehen, es heißt, dort werde sie sehr negativ bewertet.

Die Regierung, aus dem nationalen Lager sieht sie als Gruppe von Verrätern. Sie sind aber eine Verkörperung des Wunsches von Menschen, frei zu diskutieren, was in den besetzten Gebieten geschieht, oder die Diskussion zumindest anzuregen.

Das Gespräch führte Michael Hesse