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Adoptionsrecht: „Geschlecht der Eltern ist unerheblich“

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Das Verbot der Sukzessivadoption durch Schwule und Lesben widerspricht dem Grundgesetz.  Foto: dpa
Karlsruhe hat das Adoptionsrecht Homosexueller gestärkt. Kritiker befürchten Nachteile für Kinder aus solchen Verbindungen. Die Familientherapeutin Petra Thron bestreit das mit Hinweis auf die wissenschaftliche Literatur.  Von
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Berlin

Frau Thorn, Gegner des Adoptionsrechts für gleichgeschlechtliche Paare argumentieren mit den angeblichen Nachteilen, die den Kindern aus einer solchen Verbindung erwachsen. Gibt es diese Nachteile überhaupt?

Petra Thron: Ich befasse mich vor allem mit lesbischen Paaren, die sich ihren Kinderwunsch mit Spendersamen und künstlicher Befruchtung erfüllen. Es gibt in der wissenschaftlichen Literatur zu diesen Fällen keinen Hinweis auf irgendwelche Auffälligkeiten, was die Kindesentwicklung betrifft. Zurzeit haben lesbische Paare nur die Möglichkeit einer Stiefkind-Adoption. Ich sehe aber kein vernünftiges Argument, mit dem man ihnen das Adoptionsrecht verweigern könnte. Den Kindern geht es nicht besser oder schlechter als Kindern, die mit Vater und Mutter aufwachsen.

Petra Thron
Petra Thron ist Diplom-Sozialtherapeutin und Familientherapeutin.
Foto: privat

Ein Kind muss also nicht unbedingt Vater und Mutter haben?

Thron: Ein Kind braucht feste Bezugspersonen. Sie müssen für das Kind da sein und es materiell und emotional versorgen. Nach allem was wir aus der Forschung wissen, ist es unerheblich, welchem Geschlecht diese Bezugspersonen angehören.

Ein weiteres Argument gegen das Adoptionsrecht ist, dass die Kinder stigmatisiert würden. Wie beurteilen Sie das?

Thron: Das ist ein paradoxes Argument. Wenn die Kinder stigmatisiert werden, dann deshalb, weil die Gesellschaft Homosexuelle stigmatisiert. Wir können das nicht gutheißen, indem wir diese Gruppe ein weiteres Mal stigmatisieren und das Adoptionsrecht verweigern. Andernfalls müssten wir auch anderen Gruppen, die das Risiko der gesellschaftlichen Stigmatisierung haben, dieses Recht verwehren. Es käme auch niemand auf den Gedanken, stark übergewichtigen Eltern das Recht auf die Gründung einer Familie zu verweigern.

Hat die sexuelle Orientierung der Eltern Einfluss auf die sexuelle Orientierung der Kinder?

Thron: Die sexuelle Orientierung von Kindern aus homosexuellen Partnerschaften ist im Normbereich. Das heißt, es gibt untern den Jugendlichen, die von gleichgeschlechtlichen Eltern aufgezogen wurden genauso viele Homosexuelle und Heterosexuelle wie unter denen, die mit heterosexuellen Paaren gelebt haben.

Die Bundesärztekammer sieht das offenbar anders. Sie erklärt in ihren Richtlinien zur künstlichen Befruchtung, es bestünden noch offene Fragen nach der Bedeutung von Vater und Mutter für die Kindesentwicklung. Sehen Sie das auch so?

Thron: Der aktuelle Forschungsstand zeigt auf, dass das Verbot der künstlichen Befruchtung für Lesben oder für alleinstehende Frauen aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar ist. Dringend geklärt werden muss jedoch die rechtliche Situation der Samenspender, denn es besteht bei lesbischen und alleinstehenden Frauen unter bestimmten Bedingungen das Risiko, dass sie unterhalts- und erbschaftspflichtig werden. Dies ist jedoch in der Regel weder von den Müttern noch den Spendern gewünscht.

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