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Alternative für Deutschland: „Der Partei fehlt das Zugpferd“

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Die Ein-Thema-Partei „Alternative für Deutschland“ kritisiert die aktuelle Euro-Politik, mancher potenzieller Wähler sieht das genauso. Foto: REUTERS
Als Parteienforscher beschäftigt sich Carsten Koschmieder an der FU Berlin mit rechtsextremen Gruppen sowie politischen Neugründungen in Deutschland, zuletzt vor allem den Piraten. Der Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ gibt er kaum Chancen.
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Herr Koschmieder, laut Umfragen können sich 23 bis 26 Prozent der Deutschen vorstellen, eine Anti-Euro-Partei zu wählen. Kann es die Alternative für Deutschland also in den Bundestag schaffen?

Carsten Koschmieder: Das bezweifle ich. Die Umfragewerte rühren aus sehr offenen Fragen: „Theoretisch, unter Umständen“ kann man sich viel vorstellen. Die tatsächliche Wahlentscheidung ist komplexer. Selbst Wähler, die einem Anti-Euro-Programm völlig zustimmen, wählen letztlich meist eher eine andere Partei, weil sie noch andere Anliegen haben. Zudem hat es noch nie eine Partei in den Bundestag geschafft, die zuvor in keinem Landesparlament war. Die Hürden sind hoch: Sie muss Landeslisten aufstellen, für die Wahlteilnahme genügend Unterschriften sammeln, sich vor allem formal gründen – selbst das steht ja bei der Alternative für Deutschland noch aus.

Welches Milieu würde am ehesten aus Protest gegen die Euro-Rettungspolitik fast aller Bundestagsparteien die „Alternative“ wählen?

Koschmieder: Das ist seriös kaum einzuschätzen. Es gibt sicher eine nicht zu vernachlässigende Gruppe, die findet, man soll den „faulen Griechen“ oder Zyprioten nicht helfen oder den Euro abschaffen. Es gibt sicher auch Leute, die aus guten Gründen Einwände gegen die bisherige Euro-Politik haben. Aber über deren Zahl oder ihre soziale und politische Verortung ist wenig bekannt. Fraglich ist ohnehin, ob sie eine Partei wegen nur eines Themas wählen würden.

Der Parteienforscher Carsten Koschmieder.
Der Parteienforscher Carsten Koschmieder.
Foto: Privat

Was lehren die bisherigen Erfahrungen mit Ein-Themen-Parteien?

Koschmieder: In Europa gibt es mehrere erfolgreiche rechtspopulistische Anti-Europa-Parteien. In Deutschland hatte so etwas auf Bundesebene bisher noch keinen Erfolg. Regional gab es öfter Ein-Themen-Parteien wie die Schill-Partei in Hamburg, deren Zulauf aber regional und zeitlich begrenzt war. Im Bund scheitern Rechtspopulisten auch daran, dass in der öffentlichen Wahrnehmung jede Partei rechts der CDU als rechtsextrem gilt. Und tatsächlich ziehen sie schnell Rechtsextreme an, die wiederum bürgerliche Wähler verschrecken.

Die Köpfe der Alternative für Deutschland  betonen deshalb, keine rechte Partei zu sein.

Koschmieder: Die Frage ist, wie glaubwürdig das bleibt, wenn man die Wortführer näher ansieht. Inhaltlich tritt die Partei explizit gegen den Euro auf, aber eben auch gegen eine „Sozialdemokratisierung der Union“. Sie spricht klar enttäuschte Konservative an. Aber für den Erfolg fehlt ihr auch ein echtes Zugpferd: In Europa zeigte sich, dass populistische Parteien charismatische, unverdächtige Führungsfiguren brauchen wie Haider in Österreich oder Wilders in Holland. Der „AfD“ fehlt so ein Charismatiker – zumal einer, der jünger als 70 Jahre ist.

Das Interview führte Steven Geyer

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