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Antisemitismus-Vorwurf: Zentralrat verteidigt Augstein

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Der Verleger und Journalist Jakob Augstein steht in der Kritik.  Foto: dpa
Der Verleger Jakob Augstein zählt nach Ansicht des Simon-Wiesenthal-Zentrums mit zu den schlimmsten Antisemiten der Welt. Jetzt meldet sich auch der Zentralrat der Juden in Deutschland zu Wort und nimmt Augstein in Schutz.
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Los Angeles/Berlin

Die amerikanische Menschenrechtsorganisation Simon-Wiesenthal-Zentrum hat am Donnerstag Antisemitismus-Vorwürfe gegen den Journalisten und Verleger Jakob Augstein bekräftigt. „Nur weil er ein Journalist ist, geben wir Herrn Augstein keinen Freibrief zu sagen, was er will und sich dann hinter journalistischer Integrität zu verstecken. Seine Aussage hat keine Richtigkeit, es gibt keine Basis dafür“, sagte Rabbi Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles.

Die Organisation, die sich mit dem Holocaust, Rassismus und Antisemitismus auseinandersetzt, hatte den Herausgeber der linken Wochenzeitung „Freitag“ wegen Israel-kritischer Äußerungen auf einer Rangliste der zehn schlimmsten Antisemiten der Welt auf Platz neun gesetzt. Als Beleg für die Aufnahme Augsteins listet die nach dem Holocaust-Überlebenden und Nazi-Jäger Simon Wiesenthal benannte Organisation mehrere Zitate Augsteins auf, darunter eine Äußerung, in der der Journalist eine Gruppe von ultraorthodoxen Juden in Israel, die zehn Prozent der Bevölkerung ausmachten, mit islamischen Fundamentalisten vergleicht.

Grenze überschritten

„Wenn man das Bild von islamischen Extremisten heraufbeschwört, deren wesentlicher Beitrag zur Welt aus Selbstmordbombenanschlägen, Extremismus und Hass besteht, und dann eine gesamte religiöse Gemeinschaft nimmt und sie so stereotypisiert, dann hat das nichts mehr mit Journalismus zu tun. Damit wird eine Grenze überschritten“, sagte Cooper.

Das Zentrum führt in seiner Aufstellung ein weiteres Zitat an, in dem sich Augstein der Einschätzung des Literatur- Nobelpreisträgers Günther Grass anschließt, die Atommacht Israel sei eine Gefahr für den Weltfrieden.

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Die Rangliste wird von den ägyptischen Muslimbrüdern und dem iranischen Regime angeführt. Politiker von CDU und Linken, darunter die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner und Linksfraktionschef Gregor Gysi, haben Augstein gegen die Antisemitismus-Vorwürfe in Schutz genommen. Der Sohn des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein selbst sprach von Diffamierung.

„Die Tatsache, dass es nun in Deutschland eine Debatte und eine Diskussion um diese Sache gibt, sehe ich als Pluspunkt“, teilte Cooper weiter mit. „Ich fordere Herrn Augstein und die Kritiker, die ihn in Schutz nehmen, dazu auf, seine Äußerungen noch einmal anzuschauen. Sie sind unhaltbar“.

Korn kritisiert Antisemitismus-Vorwurf

Dagegen hat der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, sich von dem Antisemitismus-Vorwurf gegen Augstein distanziert. Er habe nie den Eindruck gehabt, dass das, was Augstein geschrieben habe, antisemitisch sei, sagte Korn am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Selbst wenn man sich frage, warum Augsteins Kritik überspitzt sei und immer Israel thematisiert werde, dürfte es nicht richtig sein, den Journalisten als Antisemiten zu bezeichnen.

Korn sagte, das Simon-Wiesenthal-Zentrum habe offensichtlich nicht genügend recherchiert oder sich nicht kundig gemacht. Es sei von der nach dem Nazi-Verfolger Simon Wiesenthal benannten Menschenrechtsorganisation nicht sehr klug gewesen, der Argumentation des Publizisten Henryk M. Broder zu folgen. Broder „schießt nun mal über das Ziel hinaus“ und sei ein Polemiker, „der stark überspitzt“, sagte Korn. Broder hatte Augstein mehrfach als Antisemiten bezeichnet. (dpa/afp)

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