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Beate Klarsfeld: Eine Ohrfeige machte sie weltberühmt

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Beate Klarsfeld
April 1968, großer Auftritt im Bonner Bundestag. Beate Klarsfeld beschimpft Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger als "Nazi" und "Verbrecher". (Bild: dpa)

Woran das wohl liegt? Aus der Sicht von Beate Klarsfeld, die gerade 73 Jahre alt wurde, wohl auch an der Ohrfeige, die sie 1968 Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) verpasst hat. Linksfraktionschef Gregor Gysi hatte sie 2009 für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen, das ihr verwehrt wurde. Nun könnte es sein, dass Klarsfeld als Präsidentschaftskandidatin für die Linke antritt.

Klarsfeld hat wohl selbst dazu beigetragen, dass sie als Präsidentschaftskandidatin ins Gespräch kam. Nach einer Parteitagsrede, auf der Linken-Chefin Gesine Lötzsch gesagt hatte, sie könne sich eine Frau wie Klarsfeld als Präsidentin vorstellen, griff die Nazi-Jägerin nach eigenen Worten selbst zum Telefon. Seither wurde bei den Linken leidenschaftlich diskutiert, denn unumstritten ist Klarsfeld in der Partei keineswegs. „Meine Solidarität mit Israel wird in manchen Parteikreisen kritisch gesehen“, sagte die 73-jährige Journalistin zu „Zeit Online“.

Dennoch wäre Klarsfelds Kandidatur ein wichtiges Signal für die Partei, die bei der Suche nach einem neuen Staatsoberhaupt bislang überhaupt keine Rolle spielte: Die Linke blieb außen vor, als alle anderen Bundestagsparteien den früheren Stasiakten-Beauftragten Joachim Gauck als gemeinsamen Kandidaten aus der Taufe hoben. Und für Klarsfeld selbst wäre die Bewerbung nach jeglicher bislang ausgebliebenen Ehrung in Deutschland eine „Anerkennung für die Arbeit, die ich geleistet habe“.

Verdient gemacht hat sich die am 13. Februar 1939 in Berlin geborene Klarsfeld vor allem um die Auseinandersetzung mit dem Nazi-Regime und der Verfolgung der einstigen Täter. Das hatte auch ganz private Gründe: 1963 lernte sie in Paris ihren späteren Mann kennen, den Juden Serge Klarsfeld. „Er hat mir die Augen geöffnet“, sagte sie einmal. Ihr Mann erzählte ihr, wie er als Kind 1943 im südfranzösischen Nizza nur knapp den Nationalsozialisten entgangen war.

Während ihrer Jugend sei über die NS-Vergangenheit „nicht gesprochen“ worden, sagte Klarsfeld. Erst in Paris, wo Franzosen wegen ihrer Herkunft zuweilen „auf Distanz gegangen“ seien, sei sie wirklich damit konfrontiert worden. Es kostete sie 1967 ihren Job beim deutsch-französischen Jugendwerk, als sie in einem Zeitungsartikel die NSDAP-Mitgliedschaft von Kiesinger anprangerte. Klarsfeld ließ nicht locker, schickte Briefe an Abgeordnete und Journalisten. Aber der „Nazikanzler“ habe niemanden interessiert, sagte Klarsfeld. Selbst die linke Studentenbewegung nicht, „obwohl die Demonstrationen in den 60er Jahren durch die Tatsache ausgelöst waren, dass die ehemaligen Nazis überall waren“.

Im November 1968 schlich sie sich beim CDU-Parteitag in Berlin ein und verabreichte Kiesinger die Ohrfeige, die durch die Weltpresse ging. Viele in Deutschland hätten sie als „Nestbeschmutzer“ beschimpft, erinnerte sie sich später an die Aktion, „aber zumindest die Öffentlichkeit war aufgerüttelt“.

Die Klarsfelds konzentrierten sich fortan darauf, ehemalige NS-Verbrecher zu finden. 1971 spürte Beate Klarsfeld in Bolivien den ehemaligen Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, auf. Doch er wurde jahrelang durch das dortige Regime geschützt. Eine Entführung des „Schlächters von Lyon“ scheiterte, er wurde 1983 nach Frankreich und dort zu lebenslanger Haft verurteilt.

Zuletzt machte Klarsfeld durch ihren Streit mit der Deutschen Bahn von sich reden: Erst nach langwierigem Hin und Her willigte der damalige Unternehmenschef Hartmut Mehdorn ein, die von der Nazi-Jägerin initiierte Ausstellung über Deportationen von Kindern während der NS-Zeit auf deutschen Bahnhöfen zu zeigen. So zahlte sich Klarsfelds Beharrlichkeit einmal mehr aus. (afp)

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