27.08.2016
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Club in Köln-Mülheim: Das „Gebäude 9“ braucht Schutz

Half Moon Run im Gebäude 9

Half Moon Run im Gebäude 9

Ein spannender Club in einer alten Fabrikhalle, bespielt von absolut geschmackssicher ausgewählten Bands am Puls von Zeit und Szene. Die Rede ist nicht von einer dieser legendären Berliner Locations, auf die die Kölner gerne neidvoll schauen. Die Rede ist vom „Gebäude 9“, einer Pilgerstätte des Pop und seit den 1990ern Institution in Köln- Mülheim.

Erst Ende vergangenen Jahres wurde das „Gebäude 9“ für sein „qualitativ hochwertiges und ambitioniertes Livemusikprogramm“ mit dem „Spielstättenprogrammpreis Rock, Pop, Jazz“ ausgezeichnet. Auf der Preisverleihung sprach der damalige Kulturstaatsminister Bernd Neumann über die „Wertschätzung von Clubs und Veranstaltungsreihen, jenseits des Etablierten“, ohne deren Mut zum Risiko sich die Musikszene nicht weiterentwickeln könne. Wahre und schöne Worte!

Trotzdem steht der Club nun vor dem Aus – auf dem Gelände an der Deutz-Mülheimer Straße soll ein Gebäudekomplex namens „Euroforum Nord“ entstehen – laut Informationen der Stadt Köln eine „gemischte Nutzung aus Wohnen, Büro, Dienstleistung und Kreativgewerbe“.  Kreativgewerbe? Tatsächlich! Das immerhin scheint die Stadt verstanden zu haben: Künstler schmücken und beleben den Stadtteil, der einige unattraktive Ecken hat und von Arbeitslosigkeit gebeutelt ist. Wie wichtig die  „Kreativwirtschaft“ für die Entwicklung von Stadtvierteln ist, hat sich inzwischen bis in die Verwaltungsetagen herumgesprochen. Was sich offenbar noch nicht herumgesprochen hat: Kunst ist nicht nur schick, sondern macht bisweilen auch Lärm. Der sich mit der geplanten Wohnbebauung tatsächlich schlecht verträgt.

Clubs wie das „Gebäude 9“ kann man nicht am Reißbrett entwerfen. Man kann sie nur schützen und fördern. Wenn die Stadt der Kulturszene nicht erheblich schaden will, muss sie das sogar.