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Debatte bei Jauch: Bistum steht zur „Pille danach“

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Erzbischof Kardinal Joachim Meisner Foto: dapd
Hat Kardinal Meisner die „Pille danach“ nun erlaubt oder nicht? Der katholische Hardliner Lohmann sagte bei „Günther Jauch“, der Kölner Erzbischof beziehe sich auf ein Präparat, das noch gar nicht existiere. Nun hat das Bistum reagiert – und die Sache endgültig klargestellt.
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Plötzlich war die Verwirrung groß. Caritas-Chef Peter Nehler pries in der Talksendung „Günther Jauch“ die geistige Kehrtwende von Kardinal Meisner in Sachen ‚Pille danach‘. Er sei froh, dass der Kölner Erzbischof in seiner Stellungnahme die Verschreibung des Präparats nach einer Vergewaltigung an katholischen Kliniken nun erlaubt und damit den Ärzten einen klaren Handlungsrahmen gegeben habe. Doch so klar schien Meisners Aussage nicht für alle zu sein.

Martin Lohmann, konservativer Hardliner und Chefredakteur des katholischen Fernsehsenders K-TV, widersprach in der Sendung Nehlers Lesart vehement. Der Kardinal habe nämlich von einem Präparat gesprochen, das noch gar nicht existiere. Denn eine „Pille danach“, die ausschließlich nur die Befruchtung verhindert, sei eben noch nicht erfunden, sagte Lohmann und riss die Deutungshoheit über Meisners Aussage an sich. 

Das Erzbistum Köln zeigt sich einigermaßen überrascht von der hitzigen Debatte. „Um es ganz klar zu machen: Der Kardinal kennt ernstzunehmende Studien, die besagen, dass es eine so genannte ‚Pille danach‘ gibt, die allein die Wirkung hat, eine Befruchtung zu verhindern“, sagte Bistumssprecherin Nele Harbeke zum „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Die Studien besagen, dass diese Pille also nicht nidationshemmend sei, demnach also nicht die Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle verhindert.“ Der Kardinal stütze sich bei seiner Entscheidung auf aktuelle medizinische und pharmazeutische Studien und Erkenntnisse, erklärte Harbeke. Es existiere auch eine Stellungnahme des Bundesverbandes der Gynäkologen vom 24. Januar, die zwei entsprechende Präparate nennt. „Herr Lohmann saß auf eigene Rechnung im Studio und nicht im Auftrag des Kardinals“, machte das Bistum deutlich.

Der radikale Pro-Leben-Aktivist Lohmann hatte bei Jauch zwischenzeitlich das Publikum gegen sich aufgebracht. Bei der Frage, ob seine eigene Tochter im Falle einer Zeugung nach Vergewaltigung selbst über eine Abtreibung entscheiden dürfe, sagte Lohmann: „Die Frage mit der Selbstentscheidung der Frau ist vielschichtig.“ Ein Raunen ging durch das ehemalige Gasometer in Berlin. Ebenfalls für Entsetzen sorgte seine Äußerung, Homosexualität sei so lange in Ordnung, so lange sie unterdrückt werde. Werde sie ausgelebt, so sei das als „Sünde“ zu werten.

Seine Ansichten zur Homosexualität brachten Lohmann schon Drohungen ein. Nach einer Sendung von „Hart aber fair“ im Dezember vergangenen Jahres, in der sich der Katholik gegen eine Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe als auch ein Adoptionsrecht für schwule oder lesbische Paare ausgesprochen hatte, erhielt er eine anonyme Email: „Ich bin homosexuell und habe AIDS, wohne in Bonn und bin nun entschlossen ihnen auch das Geschenk dieser Immunerkrankung zu geben. Wenn sie also demnächst einen kleinen Piekser verspüren sollten, dann war ich das wohl mit meiner Nadel." Lohmann erstattete  Strafanzeige und stellte beim christlichen Mediendienst Medrum klar: "Jeder Mensch verdient Respekt und ist ein Abbild Gottes. Deshalb liegt es mir fern, irgendjemanden zu diskriminieren oder herabzusetzen.“ (ccp)

 

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