24.07.2016
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Ditib: Schaden für die Integration

Die Ditib-Zentralmoschee im Stadtteil Ehrenfeld.

Die Ditib-Zentralmoschee im Stadtteil Ehrenfeld.

Foto:

stefan worring

Köln -

Große Glasfronten sollen die neue Zentralmoschee in Ehrenfeld offen und transparent machen. Was der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) im Bau gelingt, scheitert jedoch an ihrem eigenen Körper. Ali Dere, der als Vertreter eines aufgeklärten Islam gilt, musste vor Ende seiner Amtszeit als Ditib-Vorsitzender gehen. Das Desinteresse des Verbandes, die Öffentlichkeit zu informieren, stößt Parteien und Bürger, die der Ditib wohlwollend gegenüberstehen und Großprojekte wie die Zentralmoschee begrüßen, vor den Kopf. Doch viel größer ist der Schaden, den die Ditib mit dieser Haltung der Integration junger Türkeistämmiger zufügt. Die strikte Verschwiegenheit bietet Raum für Spekulationen. Der größte Islamverband in Deutschland verliert Vertrauen. Und das auch zunehmend bei denen, die er eigentlich vertreten sollte.

Undurchsichtige Verschiebungen

Die Ditib erhebt den Anspruch für türkeistämmige Muslime in Deutschland zu sprechen. Doch die jüngsten, undurchsichtigen Verschiebungen im Vorstand verstärken einen unangenehmen Verdacht: Die Ditib scheint sich mehr und mehr als Sprachrohr einer islamisch-konservativen Regierung in der Türkei zu verstehen und der Einfluss der türkischen Religionsbehörde scheint groß zu sein. Die Ditib demonstriert momentan eine starke Anbindung an ihr Herkunftsland. Das geht an der Realität junger Deutsch-Türken und dem Bemühen um mehr Integration vorbei. Der Verband sollte sich in erster Linie für die in Deutschland lebenden Türken engagieren. Dass sie bei dieser Aufgabe künftig vor großen Hürden stehen wird, zeigt sich an zwei neuen Vorstandsmitgliedern. Sie sind noch als Botschaftsräte in Belgien und Frankreich tätig. Wie sollen sie die Bedürfnisse der Deutsch-Türken verstehen können? Haben sie überhaupt eine Ahnung von den vielschichtigen Beziehungen der Deutsch-Türken zum deutschen Staat?

Jede ethnische, religiöse und kulturelle Minderheit braucht eine starke Organisation im Rücken, die die Interessen dieser Menschen in der Öffentlichkeit vertritt und einen interkulturellen Dialog fördert. Aber sie muss unabhängig bleiben. „Eine erfolgreiche Integration fängt in jungen Jahren an“ heißt es auf der Internetseite der Ditib. Es bleibt zu hoffen, dass sie damit auch tatsächlich die Integration in die deutsche Gesellschaft meint. Die Autorin (23) gehört zum „Junge Zeiten“-Team der Redaktion Köln. Die Mitarbeiter gestalten in ihrer Freizeit die Jugendseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“, die jeden Donnerstag erscheint.