27.08.2016
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Eishockey-WM: Besser mit Ehrhoff

Eishockey-Star Christian Ehrhoff.

Eishockey-Star Christian Ehrhoff.

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AP/dpa

Köln -

Grämen wollten sich die deutschen Eishockey-Nationalspieler bei der WM in Helsinki auf keinen Fall.

Zwar schieden sie am Dienstag trotz eines 3:2-Erfolges in der Verlängerung gegen Frankreich aus, sie waren aber davon überzeugt, ein ordentliches Turnier gespielt - und, wie es Kapitän Christian Ehrhoff ausdrückte, „den Stolz des deutschen Eishockeys“ wiederhergestellt zu haben. Dabei dachte der NHL-Star aus Buffalo an die peinlich-verpatzte Olympia-Qualifikation im Februar, an der er nicht hatte teilnehmen können.

Es war großes Glück für den durch das Qualifikations-Desaster beschädigten Bundestrainer Pat Cortina, dass Ehrhoff mit Buffalo im Frühjahr die Playoffs verpasste  und deshalb in Helsinki dabei war. Der 30-jährige Verteidiger ist ein brillanter Spieler und Anführer, der eine Mannschaft besser macht. Das bewies er auch, als er im letzten Winter während der NHL-Aussperrung für seinen Heimatverein Krefeld Pinguine spielte und ihn zu Höchst-Leistungen beflügelte.

Ehrhoff wird aber nicht immer Zeit haben, für die Nationalmannschaft zu spielen; das gleiche gilt für den stürmenden NHL-Kollegen Marcel Goc (Florida Panthers), der in Finnland ebenfalls im deutschen Trikot spielte. Genauso wenig ist es selbstverständlich, dass die Profis der Playoff-Finalisten immer so viel Energie aufbringen können wie bei dieser WM. Zehn Akteure aus Köln und Berlin waren dabei – allesamt in guter Form.

Ob Cortina ein guter Bundestrainer sein kann, ist deshalb noch nicht klar. Der Italo-Kanadier hat in Helsinki nur vorgeführt, dass er eine stark besetzte Mannschaft unfallfrei coachen kann. Wie er sich macht, wenn er improvisieren muss, weil die Besten fehlen, wird die Zukunft zeigen.

Die meisten deutschen Spieler werden nun in die Ferien starten und aus der Ferne verfolgen, was während der WM noch so geschieht. Besonders interessant ist der Freitag, an dem entschieden wird, wer die WM 2017 ausrichten darf.  Deutschland hat sich zusammen mit Frankreich beworben, gespielt werden soll in Köln und Paris.

Die Chancen für das deutsch-französische Projekt stehen gut. Besonders vor diesem Hintergrund wäre es eine gute Idee, Cortina einen fähigen und öffentlichkeitstauglichen Sportdirektor an die Seite zu stellen. Im Hinblick auf ein großes Turnier im eigenen Land braucht eine Randsportart mindestens einen Repräsentanten mit Wiedererkennungswert – wie es Uwe Krupp 2010 und in den fünf Jahren davor war.

Wie auch immer sich Cortina als Nationalcoach machen wird, der blasse und des Deutschen nur mäßig mächtige Mann ist mit einer solchen Rolle überfordert.