26.08.2016
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Erzbischof-Nachfolger: Wunschliste mit Bitte um Beachtung

Stephan Ackermann

Stephan Ackermann

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Dpa

Köln -

Selbstbewusst ist er, der Kölner Dompropst Norbert Feldhoff. Und zu verlieren hat der fast 75-Jährige auch nichts mehr. Deswegen sagte er unverblümt und unumwunden, was das Kölner Domkapitel mit Blick auf die Nachfolge Kardinal Joachim Meisners von Rom erwartet: Der Papst bzw. die Bischofskongregation als zuständige Behörde des Vatikan sollten dem 15-köpfigen Gremium in Köln doch bitte exakt jene drei Kandidaten zur Wahl stellen, die es selbst für die besten befunden und auf seine entsprechende Wunschliste gesetzt hat.

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ jetzt aus hochrangigen Kirchenkreisen erfuhr, hat sich das Kapitel mehrheitlich auf den Trierer Bischof Stephan Ackermann und seinen Essener Mitbruder Franz-Josef Overbeck verständigt. Beide Bistümer gehören zur Kölner Kirchenprovinz. Ackermann, geboren 1963 und Overbeck (1964) sind Vertreter einer neuen Generation von Oberhirten. Beide stehen für einen reformorientierten, liberalen Kurs. Sie stützen die Bestrebungen von Papst Franziskus zu neuen Wegen in der Ehe- und Familienpastoral und haben in ihren Bistümern offenen Diskussionen mit den Laien über innerkirchliche Veränderungen breiten Raum gegeben.

Als dritten nominierte das Kapitel einen Mann aus den eigenen Reihen. Stefan Heße (Jahrgang 1966) war vor seiner Wahl zum Diözesanadministrator (Bistumsverwalter) Meisners letzter Generalvikar. Er ist der einzige der drei Kandidaten, der aus dem Erzbistum Köln selbst stammt. Weil in der Vergangenheit aber üblicherweise Erzbischöfe gewählt wurden, die bereits Erfahrungen an der Spitze anderer Bistümer gesammelt hatten, gilt Heßes Nominierung eher als Zählkandidatur.

Klar ist hingegen, dass die Kölner mit ihren Vorschlägen auf einen Neuanfang setzen nach der Devise aus dem Mund eines Domkapitulars: 25 Jahre Meisner sind genug. Exakt dieses Ansinnen aber versucht Meisner dem Vernehmen nach zu durchkreuzen.

Anlass zu Sorge oder Hoffnung

Die jüngsten Vorgänge im Erzbistum Freiburg, das seit Ende Mai mit dem 52 Jahre alten Stephan Burger einen neuen Bischof hat, geben in Köln Anlass wahlweise zu Sorge oder Hoffnung. Nach Burgers Ernennung wurde nämlich bekannt, dass der Vatikan dem Freiburger Domkapitel eine Liste vorgelegt hatte, die nicht einen Namen mehr enthielt, den die Breisgauer zuvor nach Rom übermittelt hatten. Stattdessen soll neben Burger der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp, ein enger Vertrauter Meisners, auf der Liste gestanden haben.

Wie aus Rom verlautet, zieht der 80-Jährige nach wie vor die Fäden der Personalpolitik für die deutsche katholische Kirche. Mit dem Münsteraner Bischof Felix Genn als Mitglied der Bischofskongregation und über deren Präfekten, den kanadischen Kurienkardinal Marc Ouellet, verfügt Meisner über Kontaktmänner, die Personalien in seinem Sinne beeinflussen können. Und für Köln wird er weder Ackermann noch Overbeck, ja nicht einmal den Kölner Heße als bischofstauglich erachten.