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Falschmeldung: Fährt Chinas Präsident Taxi?

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China's Präsident Xi Jinping. Foto: AFP
Chinas Staatspresse blamiert sich mit einer Falschmeldung über eine angebliche Taxifahrt von Parteichef Xi Jinping, die erst veröffentlicht und dann doch wieder zurückgezogen wird. Wie konnte das passieren?  Von
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Peking

Die Geschichte klang so gut, dass selbst führende Propagandakader sie glaubten: Xi Jinping, Chinas Staats- und Parteichef, soll Anfang März ein Taxi genommen haben, berichtete am Donnerstag die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua. Ein Funktionär, der auf seine komfortable Limousine verzichtet und sich unters einfache Volk mischt, als sei er nichts Besonderes? Das war eine Sensation und wurde im chinesischen Internet millionenfach diskutiert. Allerdings passte Xis Taxifahrt gut zu dem Bild, das sich die chinesische Öffentlichkeit in den vergangenen Monaten von ihrem neuen Präsidenten gemacht hat. Der 59-Jährige gibt sich volksnah und fordert von allen Staatsdienern Bescheidenheit. Man hätte ihm glatt zutrauen können, dass er mit gutem Beispiel voran geht.

#aticle

Doch dann das: Am Donnerstagabend löschte Xinhua den Artikel und erklärte knapp, es habe sich um eine Falschmeldung gehandelt. Ein Parteimedium, das eine Ente über den eigenen Präsidenten verbreitet? Das ist erst recht eine Sensation, und hätten Chinas Zensoren nicht prompt alle Internetsuchen nach den Worten „Xi“ und „Taxi“ blockiert, würden die Chinesen wohl noch lebhafter diskutieren als über die Ausgangsstory. 

In die Welt gesetzt hatte die Geschichte am Donnerstagmorgen die Hongkonger Zeitung „Da Kung Pao“, die als linientreu und in Peking gut vernetzt gilt. Das Blatt veröffentlichte neben der detailreich ausgeschmückten Geschichte auch ein Bild von Xis angeblicher Taxiquittung sowie ein Foto des vermeintlichen Fahrers, der sich mit dem Präsidenten unter anderem über Luftverschmutzung unterhalten haben will. Xinhua hatte sich auf die „Da Kung Pao“ bezogen und erklärt, man habe den Wahrheitsgehalt von Pekings Transportbehörde bestätigt bekommen. Die Nachricht erschien auch auf der offiziellen Webseite der Regierung. Da Xinhua Chinas wichtigstes Presseorgan ist, darf man davon ausgehen, dass die Meldung von ranghohen Propagandabeamten abgesegnet wurde. 

Doch die müssen es sich wenige Stunden später offenbar anders überlegt haben. Wie Xinhua zog auch die „Da Kung Pao“ ihre Geschichte zurück, ohne jedoch zu offenbaren, woher sie ihre Informationen ursprünglich bezogen hatte. Wie es dazu kommen konnte, ist Chinabeobachtern ein Rätsel. „Ich habe keine Ahnung, was los ist“, bekennt Bill Bishop, der auf seinem angesehenen Chinablog „Sinocism“ verschiedene Theorien zusammengetragen hat. Denkbar sei, dass die Taxifahrt eine Erfindung von Propagandabeamten war, die Xis Image als „Mann des Volkes“ fördern wollten und die Geschichte voreilig in Umlauf brachten. Womöglich habe die Taxifahrt aber doch stattgefunden, sei Xis PR-Leuten im Nachhinein jedoch zu gestellt vorgekommen. Denkbar sei auch, dass jemand der „Da Kung Pao“ bewusst eine Ente untergeschoben habe, um sich einen Spaß zu erlauben oder Peking zu schaden.

Antworten könnte womöglich der interviewte Taxifahrer geben. Doch der ist bisher unauffindbar. Sicher scheint jedenfalls, dass Xi bei seinen nächsten Versuchen, sich volksnah zu geben, ein Problem hat. Taxifahren kann der Präsident jedenfalls nicht mehr.

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