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FDP: Rösler stellt sich hinter Brüderle

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Philipp Rösler zu Besuch beim Kölner Stadt-Anzeiger. Foto: michael bause
Der Parteivorsitzende der FDP, Philipp Rösler, hat Fraktionschef Rainer Brüderle in der Sexismus-Debatte verteidigt. Und auch für seinen Rivalen Christian Lindner hat Rösler nur nette Worte übrig - der NRW-Chef soll eine wichtige Rolle einnehmen.  Von 
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Köln

Das Chaos in der FDP war zuletzt groß, doch der Parteivorsitzende Philipp Rösler wirkt aufgeräumt. Die Doppelspitze? „Rainer Brüderle als Spitzenmann und ich als Parteichef ergänzen uns hervorragend“, sagt Rösler dem „Kölner Stadt-Anzeiger“– und verkauft es so, als sei diese Aufstellung schon immer seine Idee gewesen. Die Sexismus-Vorwürfe gegen Rainer Brüderle? Eine Kampagne – und auf Dauer kein Problem. Sein Rivale Christian Lindner? Ein prima Typ natürlich.

Rösler ist der Wiederauferstandene. Totgesagte leben länger – das sagte man bisher immer von der FDP. Mittlerweile gilt es mindestens so sehr für ihren Vorsitzenden Rösler. Zum traditionellen Dreikönigstreffen in Stuttgart in diesem Jahr schien eigentlich alles klar zu sein. Rösler sollte nur noch so lang vorne stehen, bis die Partei die zu erwartende Niederlage bei der Landtagswahl in Niedersachsen hinter sich gebracht hätte. Danach sollte er die Schuld übernehmen – und den Platz für Fraktionschef Rainer Brüderle an der Parteispitze frei machen.

Kräftiges Sägen am Stuhl

Brüderle und auch Lindner sägten bereits kräftig an Röslers Stuhl. Nur wenige Tage vor der Niedersachsen-Wahl plädierte Brüderle dafür, den für Mai geplanten Bundesparteitag vorzuziehen – ein Affront gegen Rösler! Lindner schloss sich als FDP-Landeschef Brüderles Forderung an. Doch plötzlich kam alles anders. Aus Angst um seinen Koalitionspartner und sein Amt trat CDU-Ministerpräsident David McAllister mit einer Bemerkung eine Leihstimmen-Kampagne für die FDP los. Und die erwies sich am Wahltag als deutlich erfolgreicher als vom Urheber beabsichtigt. 9,9 Prozent – was für ein Ergebnis für die geschundene Partei!

Im Moment des unerwarteten Triumphs überraschte Rösler viele damit, dass er dennoch Brüderle den Vorsitz der Liberalen anbot. Brüderle verzichtete, sicherte sich aber die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl. Damit steht der Fraktionschef nun in dem Makel sich im entscheidenden Moment nicht getraut zu haben, nach der ganzen Macht zu greifen. Gleichzeitig setzt es die FDP einer komplizierten Situation aus: Diejenigen, die zuvor erbittert konkurrierten, müssen nun im Wahlkampf eng zusammenstehen.

Rösler tut sein Bestes, um für gute Stimmung zu sorgen. Dafür stellt er sich zu allererst in der Sexismus-Debatte hinter Fraktionschef Brüderle. „In der FDP und zunehmend auch in der Öffentlichkeit ist die Solidarität mit Rainer Brüderle zu Recht sehr groß.“ Und Rösler ergänzte: „Die Vorwürfe gegen ihn sind durchsichtig und haltlos. Das ist eine Kampagne gegen die gesamte FDP.“ Gleichwohl sei eine gesellschaftliche Debatte über Sexismus notwendig – „denn es gibt offenbar ein breites Bedürfnis, darüber zu diskutieren, aber bitte auf der Sachebene und nicht mit aggressiver Polemik.“

Nette Worte für Rivalen Lindner

Eine Journalistin des Magazins „Stern“ hatte in der vergangenen Woche in einem Artikel berichtet, dass der FDP-Politiker ihr am Rande des Dreikönigstreffens vor einem Jahr mit anzüglichen Bemerkungen zu nahe kam. Sie erwähnte darin auch andere Gelegenheiten, bei denen Brüderle durch sexistische Bemerkungen aufgefallen sei. Brüderle hat sich dazu bislang nicht geäußert.

Auch für seinen Rivalen Christian Lindner, FDP-Chef in Nordrhein-Westfalen, hat Rösler nur nette Worte übrig. „Die Bundestagswahl 2013 wird eine harte Auseinandersetzung“, sagte Rösler. „Christian Lindner ist eine herausragende liberale Persönlichkeit und ein erfolgreicher Wahlkämpfer. Für den Wahlkampf brauchen wir die Besten im Team – und da zählt er unbestritten dazu.“

Lindner war früher der Generalsekretär Röslers, trat aber mitten in der FDP-Krise zurück – wohl auch um nicht an Röslers Seite unterzugehen. Nur dass Rösler immer irgendwie über Wasser blieb. Nun, so heißt es, wolle der NRW-Chef Lindner gern stellvertretender Bundesvorsitzender der Liberalen werden.

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