28.08.2016
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Geklonter Embryo: Schwere Vorwürfe gegen Klonforscher

In Oregon haben Wissenschaftler erfolgreich ein menschliches Embryo gezüchtet.

In Oregon haben Wissenschaftler erfolgreich ein menschliches Embryo gezüchtet.

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dpa

Köln -

Acht Jahre nachdem der südkoreanische Klonforscher Hwang Woo Suk der Fälschung überführt wurde, gibt es erneut Ungereimtheiten mit einer Publikation zum Klonen. Diesmal geht es um die Arbeit des US-Forschers Shoukhrat Mitalipov. Dieser hatte erst in  der letzten Woche in der Zeitschrift Cell seine spektakulären Ergebnisse der Welt mitgeteilt. Als erstem Forscherteam war es gelungen, Stammzellen aus geklonten menschlichen Embryonen zu gewinnen.

Doch nun gibt es Zweifel an der Arbeit.  So sollen dieselben Aufnahmen und Abbildungen zur Dokumentation unterschiedlicher Experimente des Teams verwendet worden sein. Aufgedeckt haben dies unabhängige Gutachter von PubPeer, einer Plattform, die veröffentlichte Forschungsarbeiten überprüft. Die Gutachter erheben schwere Vorwürfe gegen die Forscher um  Mitalipov von der Health  & Science University in Oregon, die  laut „Cell“ überprüft würden.

Mitalipov sagte auf der Homepage des Magazins „Nature“: „Die Ergebnisse sind real, die Zelllinien sind real, alles ist real.” Es würde sich um kleinere Fehler handeln, die aufgrund der großen Eile entstanden seien.

„Ich habe  davon gehört und bin über diese Schlamperei äußerst verärgert“, sagte der Münsteraner Stammzellforscher Hans Schöler dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „So etwas darf eigentlich nicht passieren, schon gar nicht nach dem Skandal um Hwang. Das wirft wieder einmal einen Schatten auf diesen Zweig der Forschung. Das war völlig unnötig“, erhob auch Schöler schwere Vorwürfe. Möglicherweise hat das Fachblatt „Cell“ die Arbeit zu schnell veröffentlicht, wodurch sich die mangelnde Genauigkeit bei der Prüfung erklären würde.

„Ich habe mir die Abbildungen angesehen. Wenn man sie nicht neben einander legt, dann merkt man es auch nicht. Bilder von Kolonien sind einfach zu langweilig, als dass man sie sich intensiv ansehen würde. Erst wenn man die Bilder ausschneidet und auf gleiche Größe bringt, wird es offensichtlich“, sagte Schöler, der Direktor des Max-Planck-Instituts für Molekulare Biomedizin in Münster ist. „Technische Replikate als biologische Replikate darzustellen ist entweder Schlamperei oder Dummheit“, so Schöler. „Was mich zudem verwundert ist die Eile, die die Zeitschrift Cell an den Tag gelegt hat. Ich habe von keiner Konkurrenzarbeit gehört. Sehr eigenartig.“ An der Aussage der Arbeit, so Schöler, ändere die Schlamperei aber nichts. Cell habe sich selber  einen Bärendienst erwiesen.