Politik
Nachrichten, Berichte und Videos aus Deutschland und aller Welt

Vorlesen
1 Kommentare

Gewalt in Kairo: 33 Mursi-Anhänger getötet

Erstellt
Vor einer Militäreinrichtung in Kairo kam es zu einem Blutbad. Foto: rtr
Die Zahl der Todesopfer auf Seiten der Muslimbrüder ist nach gewaltsamen Auseinandersetzungen in Kairo auf 33 gestiegen. Die Islamisten wollten angeblich eine Militäreinrichtung stürmen. Die Muslimbrüder sprachen jedoch von einem Sitzstreik.
Drucken per Mail
Kairo

Bei massiven Zusammenstößen zwischen Islamisten und dem Militär sind am Montag in der ägyptischen Hauptstadt Kairo nach Angaben aus Sicherheits- und Krankenhauskreisen 33 Menschen getötet worden. Die Islamisten hatten den Angaben nach versucht, eine Militäreinrichtung am Stadtrand von Kairo zu stürmen, als das Feuer auf sie eröffnet worden sei. Es soll auch 40 Verletzte gegeben haben.

Nach Militärangaben galt der Angriff einer Einrichtung der Republikanischen Garde. Zuvor hatte es in Kairo Gerüchte gegeben, dass sich der vom Militär gestürzte Präsident Mohammed Mursi dort aufhalten könnte.

Das Militär nahm nach eigenen Angaben etwa 200 Bewaffnete fest, die an dem Angriff auf einen Club der Republikanischen Garde beteiligt gewesen seien. Die Festgenommenen hätten unter anderem Schusswaffen und Brandsätze bei sich gehabt, hieß es in der Erklärung der Armee weiter. Es habe sich um „bewaffnete Terroristen“ gehandelt.

Der Sprecher der Muslimbrüden, Gehad al-Haddad, schrieb dagegen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, Polizei und Armee hätten versucht, einen Sitzstreik der Mursi-Anhänger mit Gewalt aufzulösen. Die Onlineplattform der islamistischen Muslimbruderschaft sprach von bis zu 40 Toten und berichtete weiter, Unterstützer der Islamisten seien während des Morgengebets angegriffen worden.

Aus Protest gegen das „Massaker“ vor dem Sitz der Republikanischen Garde zog sich die salafistische Al-Nur-Partei aus den Gesprächen über die Bildung einer Übergangsregierung zurück. Die Salafisten lehnten bereits zwei Kandidaten ab, die für das Amt des Regierungschefs im Gespräch waren.

Neuer Präsident „sehr wahrscheinlich“

Unterdessen soll nach Angaben des Medienberaters von Übergangspräsident Mansur der Technokrat Siad Bahaa Eldin der Chef der ägyptischen Übergangsregierung werden. Bahaa Eldin werde am Montag „sehr wahrscheinlich“ mit dem Posten betraut, sagte der Medienberater. Derweil gingen erneut hunderttausende Gegner und tausende Anhänger des gestürzten islamistischen Staatschefs Mohammed Mursi auf die Straße.

Die Gruppierungen, die hinter Mursis Entmachtung durch das Militär stehen, hätten sich auf Bahaa Eldin als neuen Chef der Übergangsregierung geeinigt, sagte Mansurs Medienberater Ahmed al-Muslimani dem Fernsehsender ONTV. Der 48-jährige Bahaa Eldin ist der Sohn eines bekannten Schriftstellers und hat für verschiedene Finanzinstitutionen gearbeitet, unter anderem in Washington. 1997 wurde er Berater im ägyptischen Wirtschaftsministerium. In die aktive Politik trat der verheiratete Vater zweier Kinder aber erst 2011 nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak ein.

Mehr dazu

Zunächst war der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), ElBardei, als Übergangsregierungschef gehandelt worden. Das Vorhaben stieß jedoch auf den Widerstand der einflussreichen salafistischen Al-Nur-Partei. „Wir können nicht von nationaler Versöhnung sprechen und dann Mursis ärgsten Gegner zum Ministerpräsidenten machen“, sagte der ranghohe Al-Nur-Funktionär Nader Bakkar.

Allerdings meldeten die Salafisten auch gegen Bahaa Eldin Bedenken an. „Wir haben nichts gegen ihn persönlich, er ist eine wirtschaftliche Stütze“, sagte Al-Nur-Funktionär Junis Machjun dem Fernsehsender Al-Arabija. Seine Partei lehne Bahaa Eldins Kandidatur jedoch ab, weil er ElBaradeis Nationaler Heilsfront angehört habe.

El Baradei als Stellvertreter

Al-Muslimani hatte gesagt, Mansur werde zwar auf Einwände hören, er könne aber nicht alle mit seiner endgültigen Entscheidung zufriedenstellen. Die Entscheidung über den künftigen Regierungschef sollte am Montag bekannt gegeben werden. El Baradei soll laut al-Muslimani zu Mansurs Stellvertreter ernannt werden.

Unterdessen gingen erneut hunderttausende Gegner und Anhänger Mursis auf die Straße. In der Hauptstadt Kairo versammelten sich am Sonntagabend etwa 250.000 Mursi-Gegner insbesondere auf dem Tahrir-Platz, vor dem Präsidentenpalast gab es eine weitere Versammlung. „Wir sind auf der Straße, um der Welt zu zeigen, dass es eine Revolution des Volkes war und kein Putsch“, der Mursi entmachtet habe, sagte eine Demonstrantin namens Magda.

Auch in anderen Landesteilen, insbesondere in der nordägyptischen Metropole Alexandria, gab es Kundgebungen. Mancherorts waren Schüsse zu hören. Das Gesundheitsministeriums teilte mit, bei den Demonstrationen vom Sonntag seien 29 Menschen verletzt worden.

Bei einem erneuten Angriff auf ägyptische Sicherheitskräfte auf der Sinai-Halbinsel ist ein Soldat getötet worden. Bewaffnete Angreifer hätten am Sonntag in der Nähe von Al-Arich eine Straßensperre der Armee angegriffen und dabei den Soldaten getötet, sagte ein Sicherheitsvertreter. In Al-Arich hatten am Freitagabend Islamisten den Sitz des Gouverneurs von Nord-Sinai gestürmt. Sie lieferten sich zunächst ein Feuergefecht mit Sicherheitskräften, bevor diese das Gebäude in El-Arisch aufgaben. Zudem wurden am Freitag auf dem Sinai fünf Polizisten von bewaffneten Angreifern getötet. Zu den Angriffen auf der Sinai-Halbinsel bekannte sich niemand. Die Lage in der an den Gazastreifen und Israel angrenzenden Region ist seit dem Sturz von Ägyptens langjährigem Staatschef Husni Mubarak Anfang 2011 instabil. Die Beduinen, die die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen, liegen im Streit mit der Zentralregierung. Außerdem wird das Gebiet von gewaltbereiten Islamisten als Stützpunkt genutzt, um Angriffe auf Israel zu verüben.

Die Armee hatte Mursi am Mittwoch nach Massenprotesten abgesetzt. Als Übergangspräsident wurde der oberste Verfassungsrichter Mansur eingesetzt. Mursi hatte vor einem Jahr die ersten freien Präsidentschaftswahlen in Ägypten gewonnen. Seine Gegner warfen ihm vor, nur die Interessen der islamistischen Muslimbrüder zu vertreten und Ägyptens kriselnde Wirtschaft nicht in Gang zu bringen. (dpa, afp)

Auch interessant
Anzeige
Videos
Sonderveröffentlichung
Familienrecht
Die Kalkulation sollte ein Fachmann übernehmen.

Wann besteht Anspruch auf Unterhaltszahlungen? Fachanwältin Astrid Koppe informiert!

FACEBOOK
Kleinanzeigen
ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!

Service
Peinliche SMS

Aktuelle News: Wer nichts verpassen will, wählt den SMS-Service. Das Angebot können Sie jederzeit und nach Bedarf empfangen.