27.08.2016
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Interview mit Kardinal Müller: Was ist im Islam anders als im Christentum?

„Teilhaben“ heißt aber nicht automatisch „teilen“ im Sinne von „bejahen und unterstützen“. Kurienkardinal Walter Kasper sprach vor der Familiensynode im Oktober 2015 von einer „Schlacht“ im Vatikan über den künftigen Kurs der Kirche.

Diese problematische Metapher hat er zurückgenommen. Eine Schlacht zielt auf Vernichtung der Feinde. Aber hier geht es weder um Unterwerfung anderer und schon gar nicht um Feindschaften. Das Thema war die Lehre von der Ehe. Nun kann man in der Tat darum ringen, wie man am besten mit schwierigen Situationen umgehen soll, etwa von wiederverheirateten Geschiedenen. Was aber sicher nicht geht, ist, die Lehre Jesu Christi zur Disposition zu stellen. Und diese Lehre lautet nun einmal: Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Da kann es keinen Kompromiss geben, mit dem wir Menschen aus dem eindeutigen Wort Gottes etwas Verschwommenes machen würden. Ein guter pastoraler Umgang ist das Gegenteil einer Relativierung des Wortes Christi.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat gerade davor gewarnt, dass die Bischöfe sich als „Rechtgläubigkeits-TÜV“ aufführen. Die Zeit der eindeutigen Wahrheiten sei vorbei.

Oh, ich glaube, der TÜV ist für die Verkehrsteilnehmer sehr wichtig, damit Unfälle mit schwer wiegenden Folgen vermieden werden. Wenn es um das Heil des Menschen und die Gefahren für das ewige Leben geht, haben die Bischöfe eine noch viel größere Verantwortung. Und das Wort Gottes ist sehr wohl eindeutig. Es gibt den einen Glauben, wenn auch legitimerweise verschiedene theologische Schulen.

Das heißt für die wiederverheirateten Geschiedenen, dass ihnen der Zugang zur Kommunion verwehrt bleibt?

Der Papst sagt immer, dass es nicht um die heilige Kommunion allein geht, sondern um die Integration in das kirchliche Leben, deren letzter Schritt in einem Prozess der Umkehr und Klärung die Kommunion sein kann, wenn die allgemein gültigen Voraussetzungen eingetreten sind. Eine zweite Ehe oder ein zweiter Ehepartner, solange der rechtmäßige Ehepartner noch lebt, ist nach katholischer Auslegung der Worte Jesu nicht möglich.  Der Papst und wir alle möchten aber unbedingt vermeiden, dass Menschen auch in unklaren Eheverhältnissen von der Kirche als Heilsgemeinschaft  „wegdriften“. Da gibt es andere – theologisch wertvolle und legitime – Formen der Teilhabe am kirchlichen Leben. Gemeinschaft mit Gott und der Kirche  besteht nicht nur durch den mündlichen Empfang der heiligen Kommunion.

Da waren Sie mit den deutschsprachigen Synodenteilnehmern schon einmal weiter, als Sie in Ihrem gemeinsam Votum davon sprachen, die Teilnahme an der Kommunion könne für Katholiken nach gewissenhafter Prüfung und Beratung mit dem Seelsorger ihres Vertrauens denkbar sein.

Wenn die Eheleute – wie Papst Johannes Paul II.  in seinem Apostolischen Schreiben „Familiaris Consortio“ (1981)  an die immer gültige Ehelehre der Kirche erinnerte – wie "Bruder und Schwester zusammenleben". Aber auch unter Berücksichtigung der unterschiedlichsten Situationen, von denen der Klärungsprozess ausgeht. Die Kirche hat aber keine Möglichkeit, eine gültig geschlossene und wirkliche sakramentale Ehe aufzulösen oder zu suspendieren.

Kardinal Reinhard Marx aus München hält das Zusammenleben eines Paars „wie Bruder und Schwester“ – also in sexueller Enthaltsamkeit - für völlig lebensfremd und unrealistisch.

Das meinten auch schon die Apostel, als Jesus ihnen die Unauflöslichkeit der Ehe erklärte (vgl. Matthäus 19,10). Aber was uns Menschen als unmöglich erscheint, ist mit Gottes Gnade möglich.

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