29.08.2016
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Interview mit Norman Weiss: „Schavan als Ministerin disqualifiziert“

Bundesbildungsministerin Annette Schavan

Bundesbildungsministerin Annette Schavan.

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dpa

Herr Weiss, wie beurteilen Sie das Votum der Universität Düsseldorf, Frau Schavan den Doktortitel abzuerkennen?

Norman Weiss: Ich halte die Aberkennung des Titels nach dem bisherigen Verfahren für folgerichtig und für sachlich grundsätzlich gerechtfertigt. Nach dem, was ich auszugsweise aus der Arbeit von Frau Schavan gelesen habe, hatte die Universität Düsseldorf gar keine andere Wahl, als das Verfahren gegen Frau Schavan einzuleiten. Natürlich gilt für mich nach wie vor die Unschuldsvermutung und es ist das gute Recht von Frau Schavan, die Entscheidung juristisch anzufechten.

Kann Frau Schavan im Amt bleiben?

Weiss: Die Vorstellung, dass eine deutsche Bundeswissenschaftsministerin amtiert, deren eigene Alma mater ihr den Doktorgrad mit dem Vorwurf der vorsätzlichen Täuschung entzieht, ist politisch untragbar. Das disqualifiziert Frau Schavan aus meiner Sicht als Ministerin. Sie sollte die Konsequenzen ziehen und zurücktreten.

Es wird jetzt der Vorwurf erhoben, die Entscheidung sei politisch motiviert.

Weiss: Das ist absurd. Jedes Mitglied des Ausschusses – acht Professoren, vier Mitarbeiter, drei Studierende - sollte also von der Opposition gekauft worden oder von irgendwem unter massiven Druck gesetzt worden sein? Das ist doch Unsinn.

Wie beurteilen Sie das Vorgehen der Universität?

Weiss: Tatsächlich bin ich der Meinung, dass die Universität Düsseldorf streckenweise ungeschickt agiert hat, jedenfalls was die öffentliche Kommunikation angeht. Gleichwohl ist die Entscheidung juristisch völlig korrekt und sachlich nachvollziehbar. Andererseits hätte ich es für politisch und sachlich klug gehalten, wenn die Universität einen externen Gutachter zugezogen hätte. In der Wissenschaftswelt, also bei allen Anträgen auf Wissenschaftsförderung und bei Begutachtungen, gilt das Prinzip des „Peer review“, der gegenseitigen Begutachtung. Da geht um fachliche Fragen, zu deren Beurteilung externer Sachverstand zugezogen wird. Das würde ich für alle zukünftigen Verfahren grundsätzlich für richtig halten. Die Universitäten müssen sich fragen: Wie ist so eine Täuschung überhaupt möglich?

Was muss sich nach den Plagiatsverfahren an den Universitäten ändern?

Weiss: Wir müssen die Frage prüfen, ob wir zukünftig nicht alle Arbeiten elektronisch auf Plagiate prüfen. Im Falle der Arbeit von Herrn zu Guttenberg hat der Zweitgutachter der Doktorarbeit übrigens erklärt, ihm sei mit der zu prüfenden Promotion bereits das positive Erstgutachten mitgeliefert worden. Da liegt es für den Zweitprüfer doch nahe, sich dem Urteil des Kollegen einfach anzuschließen, statt unabhängig selbst zu prüfen.


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