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Italien: Beppe Grillos Online-Leben

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Beppe Grillo lehnt es ab, mit Journalisten zu sprechen.  Foto: dpa
Beppe Grillo, Anführer der italienischen Protestbewegung 5 Stelle, spricht nicht mit den Medien. Der Star der Anti-Politik und seine Mitstreiter bevorzugen Internetplattformen. In jüngster Zeit jedoch rauben Kritiker ihm dort die Nerven.  Von 
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Köln

Beppe Grillo lehnt es ab, mit Journalisten zu sprechen. Auch öffentliche Stellungnahmen auf Pressekonferenzen gibt es nur selten von dem Satiriker und Politiker. Der Parlamentsöffentlichkeit, die Italiens Wähler der Fünf-Sterne-Bewegung in großer Zahl und mit großer Macht zugänglich gemacht haben, muss sich der Gründer und Spiritus rector des „Movimento 5 Stelle“ auch nicht stellen.

Denn als Vorbestrafter durfte er, den Statuten der Bewegung folgend, nicht für ein Mandat kandidieren. So geradlinig das sein mag: Es spielt ihm in die Hände, denn er muss sich damit auch im Parlament keinerlei unliebsamen Debatten mit Politikern anderer Parteien stellen, die er samt und sonders zutiefst verachtet.

Präferenz Online-Kommunikation

Beppe Grillo wie alle Anhänger und Mitglieder der Fünf-Sterne-Bewegung ziehen seit Gründung des Movimento im Jahr 2009 das Internet als Kommunikationsplattform vor. Grillos Homepage beppegrillo.it und sein Twitter-Account sind Pflichtlektüre für alle Fünfsternlinge.

Zumal in politisch schwierigen Situationen, zum Beispiel als etwa ein Dutzend Senatoren der Bewegung entgegen dem Grillo-Dogma der Non-Kooperation den Anti-Mafia-Staatsanwalt Pietro Grasso mitwählten und ihn so zum Präsidenten des Senats machten.

Da ließ sich Grillo zunächst wutschnaubend per Twitter vernehmen und forderte die „Verräter“ auf sich zu rechtfertigen. Tags darauf – nachdem Grillo auf seinem Twitter-Account und seiner Homepage jede Menge Gegenwind von seinen Anhängern angesichts eines drohenden Ausschlusses der Abtrünnigen bekommen hatte – stimmt das Feindbild wieder. „Es war eine Falle“ der alten Parteien. „Die Senatoren haben in gutem Glauben gehandelt“, lautet die Absolution. Das war Mitte März in den ersten turbulenten Tagen des neuen Parlaments.

Und aktuell? Am Sonntag sieht sich Beppe Grillo auf seinem Blog von organisierten Schmierfinken, bezahlten Kritikastern und Fake-Kommentatoren umgeben. „Seit Monaten schreiben Trolls, Fake und Multinick zwischen zwei- und dreitausend Kommentare täglich auf dem Blog. Irgendwer bezahlt die offensichtlich.“

Was Grillo von solchen Leuten hält, ist klar. Das sind „Digitale Stücke Scheiße“, wie er in seinem Blog schreibt, nicht ohne seinen Anhängern zu empfehlen, ihm solche gesteuerten Kommentatoren anzuzeigen.

Am Dienstag ist der frische Wind, den die Grillini ins italienische Parlament hineinlassen, in einer kräftigen Böe auf Grillos Blog zu spüren. Die Abgeordneten der Bewegung machen über das italienische Staatsfernsehen Rai eine obskure Liste öffentlich. Eine Liste von ehemaligen Angestellten des Parlaments, die jetzt arbeitslos sind, weil die Abgeordneten, für die sie gearbeitet hatten, bei der Wahl Ende Februar durchgefallen waren.

Gefundenes Fressen

Das Regelwerk des Parlaments schreibt den Fraktionen vor, so berichtet die Rai, dass sie 55 Prozent des öffentlichen Geldes, das sie für ihre Arbeit überwiesen bekommen, für die Bezahlung ihres Personals auszugeben haben – und das Personal ist auszuwählen aus der merkwürdigen Liste. Für Grillo ist diese Stellenbesetzung ohne öffentliche Ausschreibung, dieses intransparente Verteilen von Gefälligkeiten, ein gefundenes Fressen.

Grillo nutzt seinen Twitter-Account vor allem, um sein Blog zu bewerben. Ob es um eine angebliche oder tatsächliche „Schweinerei“ im italienischen Haushalt geht, die die Grillini aufgedeckt haben wollen. Oder ob sich ein sizilianischer Fünfsternling mit dem Liedermacher und sizilianischen Tourismus-Verantwortlichen Franco Battiato darüber anlegt, wer denn jetzt das „neue Sizilien“ repräsentiert. Die Grillo-Bewegung oder der offen schwule, katholische und zugleich linke Regionalpräsident Rosario Crocetta mit seiner Regierungsmannschaft. Bei beppegrillo.it ist immer was los.

P.S.: 100 Prozent abschotten von den italienischen Medien kann sich auch Beppe Grillo nicht. Als er mit Parteifreunden den Sitz des italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano verlässt, wird er gefilmt und man hört ihn, über Napolitano wiederholt sagen: „Er hat mir sehr gut gefallen.“ Das berichtet der „Corriere della Sera“, der auch den Filmausschnitt zeigt. Grillo fügt in dem Filmbeitrag noch hinzu: „Wir können ihn nicht mehr Morpheus nennen. Wir müssen einen anderen Namen finden.“ Bis vor kurzem hatte Grillo Napolitano mit ätzendem Spott immer als Morpheus bezeichnet, den griechischen Gott des Schlafs.

AUTOR
Peter Seidel, Kölner Stadt-Anzeiger
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