25.07.2016
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Kommentar zu Kalle und Wohnungsmarkt: Stadt muss ordnend eingreifen

Kalle

Kalle Gerigk muss seine Wohnung in der Fontanestraße verlassen.

Foto:

michael bause

Kalle - der eingängige Name ist in den vergangenen Monaten zum Symbolbegriff für fast alles geworden, was auf dem Wohnungsmarkt falsch läuft, nicht nur in Köln. Nun wurde die Wohnung von Kalle Gerigk im Kölner Agnesviertel geräumt, ohne dass es größere Krawalle oder gar Verletzte gab - und das ist erst einmal gut so.

Es gehört zu den Grundsätzen unseres Staates, dass wir Streitigkeiten nicht auf der Straße austragen, sondern im Gerichtssaal. Im Fall Gerigk erging ein rechtskräftiges Urteil. Es bindet auch die unterliegende Partei. Und wie die ausführliche Begründung des Urteils zeigt, hat der Richter es sich nicht leicht gemacht.

Entwicklung schreitet voran

Das Grundproblem indessen, für das der Name Kalle steht, können kein Urteil und kein Gericht lösen. Deutschlands Ballungszentren holen eine Entwicklung nach, die in anderen Teilen der Welt schon viel weiter fortgeschritten ist: die soziale Verschiebung nach oben. Das Leben mitten in angesagten Städten können sich zunehmend nur noch Spitzenverdiener leisten. Den anderen bleibt meist nur, in weniger beliebte, billigere Lagen zu ziehen oder Rückzugsgefechte auf Basis alter Mietverträge zu führen - wie Kalle Gerigk, der sich noch auf eine Grundmiete von 325 Euro für seine Vier-Zimmer-Wohnung berufen konnte.

Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Aus dem für die Sozialstruktur fatalen Kreislauf von wachsender Nachfrage nach innerstädtischem Wohnraum, günstigem Geld auf Pump und sprunghafter Preisentwicklung gibt es so schnell keinen Ausweg. Weder private Eigentümer noch die Stadt oder gar die Kirchen machen groß Anstalten, Grundstücke und Immobilien unter Marktwert abzugeben, damit im Gegenzug günstigerer Wohnraum entsteht.

Politik ist gefragt

Politisch gebremst werden kann diese Entwicklung aber sehr wohl. Vor allem auf Bundes- und Landesebene wurden mit Mietpreisbremse und anderen Maßnahmen Instrumente geschaffen, die in die richtige Richtung weisen. Die Stadtpolitik muss sich aber als ordnende Hand noch stärker einbringen und auf manchen möglichen Profit zugunsten der Kommunalkasse verzichten.

Der Fall Gerigk erhöht an dieser Stelle den Druck, und das ist eine der guten Folgen dieses Streites ohne Sieger. Das Thema ist auf der Agenda einer breiten Schicht von Bürgern Kölns angekommen. Sie tragen es allemal weiter, als ein Einzelner das auf Dauer vermocht hätte. Zudem wird die öffentliche Aufmerksamkeit dafür sorgen, dass zumindest eine bestimmte Wohnung im Kölner Agnesviertel nicht klammheimlich gegen Recht und Gesetz weiterverkauft wird: die von Kalle Gerigk.

Damit hat er mehr erreicht als viele andere, die wie er mehr oder weniger freiwillig zur Symbolfigur erhoben worden sind.