26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Kardinal Woelki: „Auf einmal lief alles auf ihn zu“
14. March 2013
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Kardinal Woelki: „Auf einmal lief alles auf ihn zu“

Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki: Kein „Spitz-auf-Knopf-Entscheid“

Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki: Kein „Spitz-auf-Knopf-Entscheid“

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AFP

Köln -

Der neue Papst Franziskus hatte von Beginn des Konklaves an eine starke Unterstützergruppe hinter sich. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag-Ausgabe) unter Berufung auf sichere Quellen in Rom. Der Rückhalt für Jorge Mario Bergoglio mit einer ansehnlichen Zahl von Stimmen habe sich dann durch alle Wahlgänge gezogen.

Indirekt bestätigte der Berliner Kardinal Rainer Woelki diese Information. „Es war kein Spitz-auf-Knopf-Entscheid“, sagte Woelki der Zeitung und sprach von einem Gang der Dinge, der auch für die Kardinäle überraschend gekommen sei. „Ich kenne niemanden unter uns, auf dessen Liste Bergoglio ganz oben gestanden hätte.“ Die Wahl des 76 Jahre alten Argentiniers sei für ihn auch eine Antwort auf die Fragen, wie man sich das „Wirken des Heiligen Geistes“ vorstellen solle und ob so ein Konklave nicht doch eine politische Veranstaltung sei, bei der Leute die Köpfe zusammenstecken, sich absprechen und untereinander verständigen. „Stattdessen kann ich als Teilnehmer sagen: Es wurde nicht groß palavert, auch der Name Bergoglio wurde nicht etwa diskutiert. Sondern in einer für mich beeindruckenden Dynamik lief es auf einmal auf diesen Mann zu.“

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Bereits im Vorkonklave umriss der neue Papst nach Woelkis Worten „sehr klar die Situation der Kirche, speziell auch der Kurie. Pointiert brachte er zum Ausdruck, dass in der Kirche eine größere Schlichtheit und Einfachheit vonnöten sei. Das war eine Intervention unter vielen anderen. Aber augenscheinlich hat sie die Kardinäle beeindruckt.“

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Direkt im Anschluss an die Wahl habe sich der neue Papst als „Bruder unter Brüdern“ gegeben, fuhr Woelki fort. „Der Papst lehnte den Thronsessel ab, den man ihm dafür schon zurecht gerückt hatte. Sondern er stand einfach vor uns, umarmte jeden Einzelnen und versuchte auch zu verhindern, dass Kardinäle vor ihm auf die Knie fielen.“ Einem Kardinal, der krank ist und schlecht laufen kann, sei der neue Papst entgegen gegangen, damit dieser sich nicht mühsam zu ihm hinbewegen müsste, und umarmte auch ihn. Der Berliner Erzbischof schloss aus diesen Gesten auf einen „kollegialen Führungsstil“ des neuen Kirchenoberhauptes, zumal ein solcher „auch im Vorkonklave immer wieder als wünschenswert und erforderlich für die heutige Zeit bezeichnet wurde“. (ksta)