27.08.2016
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Kölner Groteske: Will Köln kein jüdisches Museum?

Das Museum soll nach den Plänen des Architekturbüros Wandel, Hoefer, Lorch und Hirsch gebaut werden.

Das Museum soll nach den Plänen des Architekturbüros Wandel, Hoefer, Lorch und Hirsch gebaut werden.

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Michael Bause

Will Köln kein jüdisches Museum? Kein Haus, das die Geschichte der ältesten jüdischen Siedlung nördlich der Alpen darstellt? Man möchte das fürchten, liest man doch von Unterschriften-Aktionen gegen das Projekt. Man muss es fast glauben, wenn man die Forderung hört, zuzuschütten, was auf dem Rathausvorplatz freigelegt wurde (obwohl so etwas auch sinnvolle archäologische Praxis zum Schutz eines Ausgrabungsareals sein kann).

Man kann erschrecken, wenn man von außen auf Köln blickt: Widerstand gegen ein Haus zur Geschichte der Juden in Deutschland? Welche Assoziationen mag in London oder New York wecken, was schon in München oder Frankfurt Kopfschütteln auslöst?

Nun, fernab von Köln hat sich womöglich nicht herumgesprochen, was die Kölner selbst nur allzu gut wissen: Die Debatte über das Jüdische Museum trägt seit langem Züge einer Groteske und wird von einer Kommunalpolitik bestritten, die mit Millionensummen jongliert wie ein unbegabter Gaukler. Der wirft die Bälle bloß in die Luft, um sie fallen zu lassen.

Zur Erinnerung: Vor mehr als zehn Jahren wollte ein privater Förderverein das Jüdische Museum bauen. Von 16 Millionen Euro an Kosten war die Rede. Doch in der Kasse des schwadronierenden Vorsitzenden war nur dieselbe heiße Luft wie in seinen Worten. Für Köln ein Problem. Der damalige OB Schramma hatte stets eingewandt, die Stadt könne das Projekt nicht finanzieren. Zahlen müsse der Verein.

Heute, viele Jahre später, ist Köln tatsächlich pleite. Ein Loch von 300 Millionen Euro klafft im Etat. Die Stadt aber hat den Baubeschluss jüngst noch einmal bestätigt. Mittlerweile soll das Haus der jüdischen Kultur samt archäologischer Zone, also den Ausgrabungen auf dem Rathausvorplatz, mehr als 50 Millionen kosten. Einen Außenentwurf gibt es, aber kein Konzept für das Innere des Museums – außer dem wirren Wunsch, sich aus 250 000 ausgegrabenen Artefakten bis hin zu Exkrementen zu bedienen. Das Museum wird also vom Ende und nicht vom Anfang her geplant, Fantasie in bauliche Gestalt gekleidet.

Zur Fantasie gehört, dass Kommunalpolitiker plötzlich behaupten, dieses Museum werde bis zu einer Million Besucher zusätzlich nach Köln locken. Warum? Das Jüdische Museum in Berlin, ein Haus von Weltrang, verzeichnete im Vorjahr 720000 Besucher. Köln schlägt die Hauptstadt mit einem Museum ohne Konzept?

Die Skepsis gründet im Spiel mit Millionen, die keiner hat. Sie hat wenig mit Abneigung gegen ein jüdisches Museum zu tun. Aber viel mit dem Misstrauen einer Politik gegenüber, die ihrer Großprojekte nicht Herr wird.

Klammheimlich wird viel geredet in Köln. Aber ein solches Projekt braucht Transparenz. Muss es so viel kosten? Warum nimmt ein massiver Bau der Renaissance-Laube die Luft, diesem Kleinod neben dem Dom? Ist eine zurückhaltende Überdachung nicht angemessener, weil sie dem Rathausvorplatz noch etwas Wirkung lässt in dieser Stadt, die mit ihren wenigen Plätzen so gar nicht umgehen kann? Wie kann die Geschichte frühen jüdischen Lebens erzählt werden in Köln, das so sehr an seine Toleranz glaubt? Welche Linie zieht man zur jüngeren Geschichte, als es vorbei war mit der Toleranz? Es geht um das intelligente Konzept, den leichten Entwurf, die breite Akzeptanz. Das Bauwerk gewinnt an Größe nicht durch den Millionenrausch. Der bringt gar nichts. Nur einen Kater.