28.07.2016
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Kommentar zu Frank Asbeck: Falsche Zeit für Prunk und Protz

Frank Asbeck

Der Vorstandsvorsitzende der Solarworld AG, Frank Asbeck.

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dpa

Ist „Sonnenkönig“ Frank Asbeck eigentlich von allen guten Geistern verlassen? Der Gründer und Großaktionär des einstigen Bonner  Vorzeigeunternehmens Solarworld hat in der wohl größten Krise der Firma offenbar nichts besseres zu tun, als  das Schloss  Marienfels von  Entertainer Thomas Gottschalk zu kaufen: Ein Millionendeal von  Wettkönig zu  Sonnenkönig sozusagen.

 Jeder Privatmann kann mit seinem Geld  anstellen was er will, solange es legal ist, auch Frank Asbeck. Aber der Kauf eines  zweiten  Schlosses  in der derzeitigen Situation von Solarworld zeugt von denkbar schlechtem Geschmack. Die Gläubiger des früheren Branchenstars bangen um die Rückzahlung von einer Milliarde Euro, die meisten Aktionäre haben  schon Riesenverluste hinter sich und die Beschäftigten bei Solarworld fürchten um ihre  Arbeitsplätze. In einer solchen Situation wie Graf Protz zu agieren ist ein Zeichen von mangelndem Fingerspitzengefühl.

Frank Asbeck hat mit großem Pioniergeist die klimafreundliche Sonnenenergie in Deutschland vorangetrieben, das ist unbestritten sein  Verdienst. Doch wie so  oft bei Unternehmen, die  in kurzer Zeit zu stark gewachsen sind, hat er zu lange am zunächst erfolgreichen Geschäftsmodell festgehalten:   Asbeck wollte an der gesamten Wertschöpfungskette der Solarenergie verdienen, doch inzwischen verliert Solarworld in vielen Bereichen  Geld. Es wird nun darauf ankommen, das Unternehmen in Verhandlungen  mit den Gläubigern und  Kunden über Wasser zu halten. 

 Asbeck selbst wird aber  in jedem Fall noch genügend Kleingeld übrig behalten, um die  800 Quadratmeter Wohnfläche in seiner  neuen Herberge am Rhein beheizen zu können.  Ob er aber in dem riesigen Schlafzimmer im Stile eines Beduinenzeltes noch ruhig  schlafen werden kann,  das steht auf einem anderen Blatt.