29.09.2016
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Kommentar zu Jan Josef Liefers: Nur mal kurz die Welt retten

Jan Josef Liefers an der syrisch-türkischen Grenze.

Jan Josef Liefers an der syrisch-türkischen Grenze.

Foto:

Twitter

Ärzte und Pathologen kommen in Syrien in diesen Tagen kaum nach mit ihrer Arbeit – aktuellen UN-Zahlen zufolge forderte der Bürgerkrieg bislang mehr als 90.000 Todesopfer. Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch der weltberühmte Gerichtsmediziner Prof. Dr. Karl-Friedrich Boerne sich mal in humanitärer Mission in Aleppo umschaut. Anstelle des Prof. Dr. Boerne aus dem Münster-„Tatort“ ist dann allerdings dessen Darsteller Jan Josef Liefers hingefahren zur Visite in der Kampfzone – oder sollte man besser sagen: zum Foto-Shooting?

Liefers ließ sich bei seinem Kurzbesuch jedenfalls ausgiebig vom mitgereisten Reporter ablichten, spazierte mit nachdenklichem Blick durch Trümmerlandschaften. Die Essenz landete dann auf dem „Bild“-Titel: „Tatort“-Star in der Hölle von Syrien.

Nachrichtlich war damit alles gesagt, denn für die von Liefers im Innenteil des Blattes formulierte Expertise – Krieg ist furchtbar, besonders arg leiden die Kinder, wir müssen was tun – hätte er auch in Münster bleiben können. Seine politischen Schlussfolgerungen fallen, um es vorsichtig zu formulieren, unterkomplex aus und speisen sich aus einer weitgehend kenntnisfreien Gesinnungsethik.

Aber es geht ja auch nur am Rande um Politik, die eigentliche Botschaft lautet: Während der Rest der Welt wegsieht, geht Liefers dahin, wo es wehtut. Ein von ihm via Twitter öffentlich gemachtes Foto betont diesen Inszenierungscharakter. Stoppelbärtig steht Liefers an der syrisch-türkischen Grenze, die Bildästhetik sagt nicht Krieg, sondern Schallplattencover. Alle Ärzte und Helfer, die sich nicht aus Publicitygründen in Syrien aufhalten (und nicht nur 48 Stunden), müssen sich verhöhnt vorkommen, wenn sie so etwas sehen.