28.07.2016
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Kommentar zu Keupstraße: Mandantenfang ist unanständig

Keupstraße

Zerstörung nach der Bombenexplosion 2004: die Keupstraße.

Foto:

stefan worring

Was ist falsch daran, sich als Opferanwalt um ein Mandat zu bemühen? Was spricht dagegen, dass ein Advokat, der überzeugt ist, einem Leidtragenden helfen zu können, von sich aus aktiv wird? Nichts. Natürlich muss er nicht warten, ob er angesprochen wird, selbstverständlich darf er den Kontakt zu einem potenziellen Mandanten auch von sich aus suchen.

Unanständig ist es allerdings, wenn der Jurist ausschließlich aus Geltungssucht oder finanziellen Interessen handelt. Geschmacklos wird es, wenn er sich auf Kosten der Opfer auch noch profilieren will. Genau das darf man jenen Anwälten unterstellen, die jetzt auf der Keupstraße nach potenziellen Opfern des Nagelbombenattentats suchen. Wer 2004 betroffen war und sich auch nach neun Jahren noch keinen juristischen Beistand geholt hat, wird seine Gründe haben. Anwälte, die nun versuchen, tatsächliche Opfer zum Outing zu animieren oder sogar Unbeteiligte zu einer Opferrolle zu überreden, schaden nicht nur dem Ansehen ihres Berufsstandes. Sie riskieren, dass das Attentat vor Gericht nie aufgeklärt wird und dass die wahren Leidtragenden ein zweites Mal zum Opfer werden.