27.09.2016
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Kommentar zu Taylor: Das Alter kann alles

Phil Taylor ist eine lebende Dart-Legende.

Phil Taylor ist eine lebende Dart-Legende.

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dapd

Die Frage, ob Darts ein Sport ist, tut an dieser Stelle nichts zur Sache. Dasselbe könnte man vor jedem Golf-Turnier über Golf fragen. Übergewichtige Männer in den besten Jahren erzeugen Begeisterung, indem sie Dinge tun, die andere nicht können. Am Ende gibt es einen Sieger, viele Verlierer, und es fließt eine Menge Geld. Also ist es Sport. Und deshalb ist Phil Taylor der erfolgreichste Sportler der Welt. 16 Weltmeistertitel hat der Mann aus Stoke on Trent seit 1990 gewonnen. Kein Sportler hat seine Disziplin über eine so lange Zeit dominiert wie Taylor, der zum Jahreswechsel ein schönes Beispiel für die Unbeugsamkeit des Alters gegeben hat.

Nach zwei Jahren ohne WM-Titel und einem eher durchwachsenen Turnier stand der 52-Jährige im Finale dem Holländer Michael van Gerwen gegenüber, und man musste Angst haben um den Senior. Der glatzköpfige 23-Jährige hatte die prominentesten Gegner mit einer Mischung aus Präzision und Grimm aus dem Turnier gefegt. Das war beste Unterhaltung in den lähmenden, fresslastigen Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn abends irgendwann gar nichts mehr ging. Nicht einmal mehr die 25. Wiederholung eines Spielfilmschinkens. Aber ein bisschen Darts-Karneval aus dem Alexandra Palace in London ging eben immer noch.

Das Endspiel schlug dann alles. Van Gerwen punktete und wütete, Taylor schien geschlagen. Schließlich war das Adrenalin der Jugend verbraucht und die Würde der Erfahrung setzte sich durch. Pfeil für Pfeil, Leg für Leg, Satz für Satz bis zum ersten Matchdart, den Phil Taylor mit einem Wurf auf die Doppel-16 verwandelte.

Das war ein schönes Zeichen. Das Alter kann doch noch was.