29.08.2016
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Kommentar zum Mount Everest: Der Berg der Eitelkeit

Everest

Ein Kletterteam an der Felsstufe „Hillary Step“ Hillary Step auf dem südöstlichen Gipfelgrat des Mount Everest.

Foto:

afp

Als Edmund Hillary und der nepalesische Sherpa Tenzing Norgay vor 60 Jahren zum ersten Mal den höchsten Berg der Welt bezwang, bestand die Welt noch aus vielen, faszinierenden Rätseln. Der weltberühmte neuseeländische Bergsteiger organisierte ein paar Jahre später sogar eine Expedition durch den ganzen Himalaya, weil er den Yeti, den Schneemenschen, finden wollte.

Heute glaubt wohl nur noch der Italiener Reinhold Messner, der die Todeszone über 8000 Meter ohne Sauerstoffflasche durchquerte, an die Existenz  des vorgeblich schneeweißen zottligen Wesens. 

Wie die Mär vom Yeti ist der bergsteigerische Kampf gegen die Natur am Mount Everest untergegangen.  Heute zählt auf exklusiven Cocktailpartys der Mount Everest als Edelstein unter den Trophäen und Beweisen der Leistungskraft, des Ausdauervermögens und der Eitelkeit.

Ein Vergleich mit der Concorde drängt sich auf: Als der Flieger noch mit Überschallgeschwindigkeit den Atlantik überquerte, kauften geltungsgierige Zeitgenossen Tickets wegen der Urkunde, die bei der Landung verteilt wurde. Der Text: Willkommen im Überschallklub!

Abenteuerzirkus am Everest

Semiprofessionelle Bergsteiger tragen eine große Mitverantwortung an der Everest-Verwandlung in einen Abenteuerzirkus. Denn Luxusgeschöpfe legen rund 85.000 US-Dollar auf den Tisch, um den Mount Everest zu besteigen. Da gibt es dann nicht nur Champagner zum Aperitif im Basislager, so mancher Everest-Stürmer wurde sogar sprichwörtlich den Berg hochgetragen. 

Mittlerweile ist zumindest die Toilettenproblematik so weit gelöst, dass Everest-Bezwinger nicht mehr über Notdurfthaufen klettern müssen, bevor sie die Steigeisen zum ersten Mal in den ewigen Schnee stoßen.

 Wer die majestätische, erhabene Weite des Himalaja schätzt, wendet voller Grauen dem widerlichen Zirkustreiben zwischen Abfallhaufen in den Basislagern den Rücken zu und hofft auf eine neue Mode. Weltraumreisen beispielsweise! Da müssen die reichen Abenteurer zwar auf Champagner verzichten, brauchen aber wenigstens nicht zwischen dem eigenen Abfall zu kampieren.

 


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