28.09.2016
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Kommentar zur Ausstellungs-Absage: Stadtspitze stellt sich bei „Breaking the Silence“ Armutszeugnis aus

Auf der "Breaking the Silence"-Ausstellung brechen ehemalige israelische Soldaten ihr Schweigen.

Auf der "Breaking the Silence"-Ausstellung brechen ehemalige israelische Soldaten ihr Schweigen.

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AFP

Köln -

Im richtigen Leben wäre jetzt von „Betteln um Schläge“ die Rede. Da die Absage einer Ausstellung der israelischen Organisation „Breaking the Silence“ (Das Schweigen brechen) durch den Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) aber ein Politikum mit Skandalpotenzial ist, muss vielmehr von einem Ausfall diplomatischer Geistesgegenwart und von Führungsversagen gesprochen werden.

Die Stadtspitze erweckt nicht nur den Anschein, sie beuge sich einem Protest der israelischen Botschaft und damit dem Druck der Regierung in Jerusalem, sondern sie gibt die Intervention aus Berlin ganz offen als Grund an, warum die Schau israelischer Reservisten aus den Räumen der Volkshochschule verbannt wird.

Dieses Vorgehen ist doppelt fatal. Es bestärkt zum einen den klassischen antisemitischen Topos, dass „die Deutschen immer einknicken, wenn die Israelis Druck machen“. Zum anderen lässt es aber auch den Schluss zu, dass die Kritik von Israelis am Vorgehen der eigenen Armee gegen die Palästinenser in Köln unerwünscht sei. Das unterläuft das demokratische Niveau, das in Israel selbst hochgehalten wird. Auch dort ist „Breaking the Silence“ umstritten. Aber nur in Köln werden jene zum Schweigen gebracht, die es durchbrechen wollen.

Man kann mit dem OB zum Ergebnis kommen, die Schau passe nicht in den Kontext der 50-Jahr-Feiern zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Man kann sogar die Sorge teilen, der Verzicht auf kontrastierende Bilder, die palästinensische Gewalt und Terror gegen die Zivilbevölkerung Israels zeigen, tendiere zu einer suggestiven, antiisraelischen Wahrnehmung.

Aber dann braucht es zwingend einen Plan B, einen konstruktiven Gegenvorschlag, um die Gefahr abzufedern. Die ersatzlose Absage der Ausstellung ist ohne Idee und Konzept. „Ordre de Mufti“ auf Kölsch. Nicht Stärke ist das, sondern Ausbund an Schwäche.