26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Kommentar zur Gamescom: Euphorie und ein bisschen Krise
21. August 2013
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Kommentar zur Gamescom: Euphorie und ein bisschen Krise

Das Geld sitzt bei vielen Gamern nicht mehr so locker. Trotzdem werden wie im vergangenen Jahr viele Besucher zur Gamescom erwartet, um neue Spiele zu testen und zu kaufen.

Das Geld sitzt bei vielen Gamern nicht mehr so locker. Trotzdem werden wie im vergangenen Jahr viele Besucher zur Gamescom erwartet, um neue Spiele zu testen und zu kaufen.

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dpa

Die Spiele können beginnen. Köln ist vorbereitet. Bis Sonntag werden über 275.000 Besucher aus der ganzen Welt zur Gamescom kommen. Die Hotels sind trotz horrender Preise bis ins Umland ausgebucht. Eintrittskarten für die größte Messe für Computer- und Videospiele sind fast ausverkauft. Die Gamescom wird auch in ihrer fünften Auflage wieder alle Erwartungen übertreffen. Dabei gibt es eine Menge Probleme.

Hier unser Liveticker vom Presserundgang auf der Gamescom.

Die Veranstaltung steht im Zeichen des Duells zwischen Mircosoft und Sony. Die beiden großen Konkurrenten liefern sich ein beachtliches Wettrennen um die Gunst der Spieler. Das fasziniert die Fans. Sie wollen die Ersten sein, die die neuen Konsolen Xbox One und Playstation 4 (PS4) ausprobieren dürfen. Obwohl beide erst Ende des Jahres auf den Markt kommen werden, ist die PS4 beim Internethändler Amazon schon ausverkauft. Das ist für die Unternehmen ein Hoffnungsschimmer am wolkenverhangenen Himmel.

Verheerende Zahlen für Nintendo

Nintendo zum Beispiel träumt von solchen Szenarien. Der japanische Konzern ist bitter abgestürzt. Die Konsole Wii galt einst als Türöffner in alle Gesellschaftsschichten. Kinder, Familien und selbst Senioren hatten lange ihren Spaß an den Spielen dank der innovativen Steuerung durch Bewegung. Mit 100 Millionen verkauften Einheiten weltweit war sie das Vorzeigeprodukt der Branche schlechthin. Die Nachfolgekonsole jedoch ist ein riesiger Flop. Kaum jemand spricht im Vorfeld der Gamescom über die WiiU.

Der eigene Erfolg ist zum größten Problem geworden. Die Zielgruppe sind die Gelegenheitsspieler, und dieser Markt ist längst gesättigt. Nintendo könnte stellvertretend für viele Mitbewerber stehen. Seit dem Marktstart vor einigen Monaten sind gerade einmal knapp dreieinhalb Millionen Exemplare verkauft worden – weltweit. Eine verheerende Zahl.

Das ist ein Teufelskreis, der die ganze Problematik der Branche aufzeigt – trotz der berechtigten Euphorie um die Gamescom. Die Produktion eines neuen Titels kann Millionen kosten. Wenn davon nur einer oder zwei im harten Wettkampf nicht bestehen, kann sich schnell eine Abwärtsspirale entwickeln. Das musste Anfang des Jahres Spielehersteller THQ schmerzlich erfahren und wenig später Insolvenz anmelden. Zudem macht noch immer die Flut an Billig-Apps für Handy und Tablet-PC die Preise kaputt. Warum 300 Euro für eine neue Konsole und 70 Euro für jedes einzelne Spiel bezahlen, wenn man es auf anderem Weg fast umsonst bekommt?

Allgemeine Verunsicherung

Obwohl ein Großteil der Spieler nach neuesten Statistiken über ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen von über 3000 Euro verfügt, sitzt das Geld nicht mehr so locker wie früher. Das belegt die Prognose des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware schonungslos. Und auf der Gamescom ist diese Entwicklung ebenfalls zu erkennen. Man muss nur einen Blick auf die Blockbuster werfen, um die allgemeine Verunsicherung zu erkennen. Bahnbrechende Neuheiten sind bis auf wenige Ausnahmen Mangelware. Stattdessen gibt es vierte, fünfte und sechste Auflagen von sicheren Verkaufsschlagern – Battlefield 4, Grand Theft Auto 5 oder Gran Turismo 6.

Ist es am Ende trotzdem vielleicht genau das, was die Spieler wollen? Wahrscheinlich. Sonst würden die Gamer in Köln wohl kaum stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen, um diese Titel ein paar Minuten testen zu dürfen. Trotzdem, kreativ und innovativ ist diese Entwicklung nicht. Im Gegenteil: Sie ist mutlos und langweilig.


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