28.08.2016
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Kommentar zur Organspende: Systematische Manipulation

Die Bereitschaft zur Organspende sinkt, seitdem immer mehr Verstöße bekannt werden.

Die Bereitschaft zur Organspende sinkt, seitdem immer mehr Verstöße bekannt werden.

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dpa

Nun ist das eingetreten, was Ärzte, Krankenkassen und Politiker immer wieder befürchtet haben. Während die Kassen fleißig Infobroschüren und Organspendeausweise verschicken, wird klar, dass der Umfang des Transplantationsskandals größer ist als bisher bekannt. Auch in Münster wurde systematisch gegen die Richtlinien verstoßen.

Patienten rutschten auf der Warteliste unberechtigterweise nach oben. Andere bezahlten das möglicherweise mit ihrem Leben.
Man sollte meinen, alle Verantwortlichen müssten ein Interesse an einer schonungslosen Analyse und vorbehaltlosen Aufklärung der in dem Prüfbericht aufgedeckten Verfehlungen haben. Doch stattdessen verharmlosen sie erneut.

So wird der Eindruck erweckt, nur die Verstöße in Göttingen, Leipzig oder Regensburg seien wirklich schlimm, weil hier systematisch manipuliert worden sei. Die 74 Regelverstöße in den anderen 20 untersuchten Transplantationszentren werden dagegen wie kleinere Nachlässigkeiten behandelt. Doch ein Verstoß bleibt ein Verstoß, egal, ob es um eine bewusste oder unbewusste Bevorzugung von Patienten geht.

Mit dieser Strategie wird es nicht gelingen, die Bereitschaft zur Organspende wieder zu erhöhen. Die Menschen brauchen volles Vertrauen darin, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Dazu sind mehr Transparenz, unabhängige Kontrollen und eine größere Verteilungsgerechtigkeit nötig.