26.07.2016
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Kuba: Hungerstreik weitet sich aus

Der Hungerstreik im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba hat sich erheblich ausgeweitet. (Symbolbild)

Der Hungerstreik im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba hat sich erheblich ausgeweitet. (Symbolbild)

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REUTERS

Washington -

Der Hungerstreik im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba hat sich erheblich ausgeweitet. Nach offiziellen Angaben verweigern inzwischen 25 der 166 Häftlinge die Nahrungsaufnahme. Acht von ihnen müssten künstlich ernährt werden, zwei Inhaftierte seien in ein Hospital gebracht worden, teilte ein Gefängnissprecher jetzt mit. Hungerstreiks sind eine gängige Form des Protests in dem seit Anfang 2002 betriebenen Lager. Niemals zuvor waren es jedoch so viele Gefangene.

Die genaue Anzahl der Hungerstreikenden ist unklar. US-Anwälte, die in telefonischem Kontakt mit ihren Mandanten auf der Karibikinsel stehen, zogen die Angaben des Verteidigungsministeriums in Zweifel und erklärten, es beteiligten sich mehr als 25 Männer an dem Protest. Das wies Lagersprecher Robert Durand jedoch zurück. Die US-Streitkräfte sprechen nach ihrer eigenen Definition dann von einem Hungerstreik, wenn ein Häftling neun aufeinanderfolgende Mahlzeiten abgelehnt hat. Eine unabhängige Überprüfung dieser Behauptungen ist nicht möglich, weil die US-Regierung Journalisten den Zugang zu den Guantanamo-Häftlingen verweigert.

Umgang mit Koran-Ausgaben

Auch über die Motive für den Hungerstreik gibt es unterschiedliche Angaben. Die US-Menschenrechtsgruppe „Organisation for Constitutional Rights“, die einige der Häftlinge vertritt, erklärte, der Grund für den lebensgefährlichen Streik sei die Durchsuchung und Beschlagnahmung von persönlichen Dingen der Gefangenen. Den unter Terrorverdacht stehenden Männern seien Briefe und Fotos weggenommen worden. Dabei seien die Wärter auch in unangemessener Weise mit Koran-Ausgaben umgegangen.

Die US-Armee wies den Vorwurf der Koran-Schändung umgehend zurück. General John Kelly, der als Chef des Lateinamerika-Kommandos der Streitkräfte für das Lager auf Kuba zuständig ist, nannte diese Behauptung Unsinn. „Kein Koran wurde entweiht oder in irgendeiner Form unrechtmäßig behandelt“, sagte Kelly jetzt vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses in Washington. Nur Übersetzer, die selbst Muslime seien, dürften in Guantanamo die Koran-Ausgaben berühren.

Gescheiterte Verhandlungen

Nach Kellys Worten ist der Hungerstreik der wachsenden Frustration der Gefangenen geschuldet. „Sie waren sehr optimistisch, dass Guantanamo geschlossen würde“, sagte der General. US-Präsident Barack Obama hatte zu Beginn seiner ersten Amtszeit 2009 angekündigt, das Lager binnen eines Jahres schließen zu wollen. Die Verhandlungen darüber scheiterten jedoch, weil Obama den Widerstand der Republikaner im US-Kongress nicht überwinden konnte. Zu neuen Versuchen, das Lager aufzulösen, kam es bislang nicht. Offenbar hätten sich einige der Häftlinge zum Hungerstreik entschlossen, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, sagte General Kelly.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und dem Einmarsch in Afghanistan hatte die damalige US-Regierung unter Präsident George W. Bush das Lager auf Kuba eingerichtet. Zwischenzeitlich waren dort fast 800 Menschen inhaftiert. Derzeit sind es noch 166. Einige von ihnen sitzen seit elf Jahren in dem Gefängnis und müssen nach derzeitigem Stand fürchten, niemals vor ein Gericht gestellt zu werden.