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Leser-Reaktionen : Große Empörung über Krankenhäuser

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Im Oktober 2011 führten fundamentalistische Christen eine Spitzel-Aktion in einem katholischen Krankenhaus durch. Foto: dpa
Die Nachricht des „Kölner Stadt-Anzeiger“, wonach zwei katholische Krankenhäuser ein Vergewaltigungsopfer abgewiesen haben, hat bei den Lesern großes Unverständnis über die Krankenhäuser und Mitgefühl für die Betroffene ausgelöst. Eine Sammlung der Kommentare.
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Kaum ein User kann die Regeln der erzbistümlichen Krankenhäuser in Köln nachvollziehen. „... ich bin sprachlos!", äußert sich Sigrid W stellvertretend für die Mehrheit der Leser. „Ein handfester Skandal! Wir leben im Jahr 2013!!!", meint Paladin. Der User Morgenstern sagt: „Diese römisch katholische Kirche ist nach meiner Meinung fernab von einer christlichen Gesinnung! Im Gegenteil, ich halte ihre Verweigerung, Vergewaltigungsopfern jegliche Hilfe zukommen zulassen für höchst verantwortungslos und ungesetzlich. Diese skandalöse Verhaltungsweise muß schonungslos angeprangert werden." Auch ArnoNym unterstellt den Verantwortlichen ein unchristliches Verhalten: „Zuerst kommt der Mensch! Grundsätze sind wichtig und richtig, aber der Mensch muss an erster Stelle stehen! Das hat Jesus auch immer so gehalten und das sollte der Maßstab sein."

Ruf nach Konsequenzen

Viele Kommentaristen fordern Konsequenzen für die verantwortlichen Krankenhäuser. DerPetzi sagt: „Sollte dies stimmen, müsste man in Erwägung ziehen, Krankenhäusern in katholischer Trägerschaft die Erlaubnis zu entziehen. Krankenhäuser haben die Aufgabe, medizinische Betreuung zu gewährleisten und nicht irgendwelche katholischen Ideologien durchzusetzen. (...) Nach so einem Erlebnis noch einen Krankenhaus-Marathon zu vollführen, wird keineswegs angenehm sein. Und wenn eine NOTärztin den Krankenbesuch angeordnet hat, wird es nicht bloß Spaß gewesen sein."

Aber auch die beteiligten Ärzte werden in die Pflicht genommen. Pit H. schreibt: „Beweissicherung ablehnen - ist das nicht eine Behinderung von Strafverfolgung? Verträgt sich das mit dem ärztlichen Standesethos, mit dem Hippokratischen Eid etc.? Wäre nicht das Grund für eine fristlose Kündigung? - Das ist beim besten Willen und allem Respekt vor dem Glauben nicht nachvollziehbar." Noch deutlicher formuliert es der User escheuch. „Die Ärzte sollen sich nicht rausreden. Der Satz, 'ich habe ja nur auf Anweisung gehandelt', hat einen Bart. Wer als Arzt sich nicht an seinen Eid und an das Gesetz hält, hat kein Recht ein Arzt zu sein."

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Viele stellen diesen Vorfall in Zusammenhang mit der Frage um die Rolle der katholischen Kirche in der heutigen Gesellschaft. Rheinlandschweizer sagt: „Unterlassene Hilfeleistung ist da noch nett ausgedrückt. Es kann doch nicht angehen, dass Opfer von Gewalttaten von öffentlichen Institutionen abgewiesen werden. Ich habe aufgrund von solcher Heuchelei die Kirche verlassen. Auch ein ändern von Innen heraus ist an solchen Stellen ein Kampf gegen Windmühlen und wird sich nicht ändern, wenn man da nicht beim Geld ansetzt. Öffentliche Gelder kürzen, da nicht Hilfeleistung im vollen Umfang gewährt wird, ist hier einfach der beste Weg. Selbst bei der Kirche kann sich erst was ändern, wenn es um Geld geht." Und Christian W. meint: „Das ist ein Grund, warum die katholische Kirche ihre Daseinsberechtigung immer mehr verliert... hier werden Grundbedürfnisse der Menschen mit Füßen getreten und Mitarbeiter genötigt." Viele weitere Leser kündigen an, wegen des Vorfalls aus der Kirche austreten zu wollen.

Mitgefühl und Schuldfrage

Einige versuchen sich, in die Rolle der vergewaltigten Frau zu versetzen. Atheistin sagt: „Was bin ich froh, dass ich damals in ähnlicher Notlage direkt zur Uniklinik gefahren bin - dort war es schon entwürdigend genug, aber mir wurde wenigstens in jeder Hinsicht geholfen." Und der User Stefan M schreibt: „Was für eine Erniedrigung für die Frau. „Erst vergewaltigt und dann von ÄrztenInnen abgewiesen. Wir grausam ist deren Vorstellung von Nächstenliebe?"

Die absolute Ausnahme sind bisher zustimmende Worte für das Vorgehen der beiden Krankenhäuser; subbapa1 sagt: „absolut richtig gehandelt von der Klinik", ohne dies jedoch zu begründen. Der User stimme sieht die Verantwortung nicht nur bei der Kirche. „Es ist nicht nur ein Versagen der Kirche, es ist ein Versagen der Gesellschaft. Hier lädt jeder Schuld auf sich, der nichts tut außer die Kirche von außen mit Schmutz zu bewerfen. Was dieser Frau angetan wurde, hat auch die Gesellschaft zu verantworten und ebenso, wie damit (mit dem Verhalten der Ärzte und des Krankenhauses) umgegangen wird."

Viele Reaktionen auf Facebook

Auch auf Facebook wird der Bericht zahlreich kommentiert. Sahne Von Der Insel: Es ist ja nicht nur so, dass der Papst oder wer auch immer bestimmt, dass dieses und jenes so gehandhabt werden soll. Irgendwer muss die Anordnungen ja auch ausführen. In diesem Fall fragt man sich warum die Angestellten das mitmachen? Wie können sie das mit ihrem Gewissen vereinbaren?" Und Monika Kreusel, die für eine Internetseite zu Traumafolge und Persönlichkeitsstörungen arbeitet, macht darauf aufmerksam, wie wichtig es in Vergewaltigungsfällen mit KO-Tropfen ist, eine schnelle Untersuchung vorzunehmen: Gerade bei Taten, wo sog. K.O.-Tropfen eingesetzt wurden, ist eine möglichst umgehende Untersuchung und Beweissicherung absolut notwendig. Denn der Wirkstoff GHB ist nicht lang im Blut nachweisbar und die betroffenen Frauen können sich nicht erinnern. Zudem kommt es aufgrund des Einsatzes von GHB und ähnlichen Substanzen meist eher zu wenigen oder keinen sichtbaren körperlichen Verletzungen, da dieses den freien Willen der Frauen außer Gefecht setzt und damit auch die Fähigkeit, sich zu wehren." Gerd J. Pohl nimmt in seinem Facebook-Kommentar die Ärzte in Schutz: Das ist halt das Ergebnis, wenn Mitarbeiter katholischer Einrichtungen ständig um ihren Job bangen müssen, sobald sie wie jeder normal tickende Mensch und nicht nach den Traumwelt-Vorstellungen irgend eines Bischofs handeln.

Auch auf der Facebook-Fanseite des Erzbistums Köln haben Dutzende User ihren Ärger ausgelassen. Wie etwa Andrea Nick: „Liebe Kirche, seit einigen Jahren lichten sich in den Reihen meiner Freunde die, die wie ich römisch katholisch sind. Immer habe ich festgehalten und gesagt, dass die Kirche sich verändern wird und das man die Flinte nicht ins Korn werfen sollte. Im Gegenteil, jede Chance nutzen die Änderung selber mit zu gestalten. Aber jetzt geht es selbst mir zu weit: letzte Woche wird die rückhaltlose und transparente Aufklärung der Missbrauchsfälle gestoppt und diese Woche wird ein Opfer abgewiesen. Das ist insgesamt aktiver Täterschutz und offenbart in aller Deutlichkeit, dass die katholische Kirche keine Kirche für Frauen ist. Ich werde die Konsequenzen ziehen und austreten." (ksta)

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