24.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Massive Kritik: Großdemo gegen Erdogan in Köln

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan beim Besuch in Soma, hinter ihm sein schlagkräftiger Berater Yusuk Yerkel.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan beim Besuch in Soma, hinter ihm sein schlagkräftiger Berater Yusuk Yerkel.

Foto:

AP/dpa

Köln -

Der geplante Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan am kommenden Samstag in der Lanxess-Arena stößt auf massive Kritik. Mehrere Initiativen haben Demonstrationen mit Tausenden Teilnehmern gegen den Auftritt angekündigt. In der Politik herrscht parteiübergreifend Einigkeit darüber, dass Erdogan seine Visite auf Einladung der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) absagen soll. Er müsse sich vielmehr um die Aufklärung des verheerenden Grubenunglücks in Soma kümmern, bei dem 301 Bergarbeiter ums Leben gekommen sind, heißt es. Zudem unterstellen viele Erdogan, dass er in Köln Wahlkampf für sich selbst machen wolle. In der Türkei stehen Wahlen an, an denen erstmals auch Auslandstürken teilnehmen dürfen.

Die Polizei bereitet sich nach Angaben einer Behördensprecherin auf einen Großeinsatz vor. Mehr als zehntausend Gegendemonstranten hätten sich bereits angemeldet. Die womöglich größte Veranstaltung in Köln organisiert die Alevitische Gemeinde Deutschland e.V. Unter dem Motto „Wir sagen Nein zu Erdogan“ wollen die Teilnehmer am kommenden Samstag vom Ebertplatz durch die Innenstadt zum Dom ziehen und dort eine Abschlusskundgebung abhalten.

OB Roters spricht Klartext

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters spricht sich vor dem Hintergrund der Grubenkatastrophe in ungewohnter Deutlichkeit gegen den Auftritt Erdogans aus. „Für mich als verantwortungsbewussten Politiker wäre die Entscheidung angesichts der dramatischen und noch zu klärenden Ereignisse mit so vielen Toten klar: Es gibt jetzt Wichtigeres, als reine Wahlkampftermine im Ausland wahrzunehmen“, sagt Roters. Auch Kölner Politiker anderer Parteien verurteilen den Besuch des Ministerpräsidenten scharf. In der türkischen Gemeinde der Stadt überwiegen ebenfalls Stimmen, die vom Regierungschef fordern, auf seine Deutschlandreise zu verzichten.

Fünf Tage nach dem Grubenunglück gab es am Sonntag 24 Festnahmen, darunter der Generaldirektor der Zeche, Akin Celik, und vier weitere Manager des Bergwerks. Die Polizei riegelte die Unglücksgrube in Soma ab, an den Zufahrtstraßen waren aus Furcht vor neuen Protesten Straßensperren eingerichtet. (mit dpa)


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?