26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Demonstranten jubeln: Ägyptens Militär stürzt Mursi
03. July 2013
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Demonstranten jubeln: Ägyptens Militär stürzt Mursi

Jubel und Feuerwerk: Die Demonstranten auf den Tahrir-Platz feiern die Absetzung von Präsident Mursi.

Jubel und Feuerwerk: Die Demonstranten auf den Tahrir-Platz feiern die Absetzung von Präsident Mursi.

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dpa

Kairo -

Die ägyptische Armee hat Staatschef Mohammed Mursi abgesetzt und vorgezogene Präsidentschaftswahlen angekündigt. Mursi werde durch den derzeitigen Präsidenten des Verfassungsgerichts abgelöst, teilte die Armee am Mittwochabend in Kairo mit. Außerdem setzte die Armee die Verfassung aus.

Die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz jubelten und feierten den Sturz des Staatsoberhauptes mit einem riesigen Feuerwerk.

Nach dem Ablauf des Ultimatums der ägyptischen Armee an Staatschef Mohammed Mursi hatte sich die Staatskrise im Laufe des Mittwochs immer weiter zugespitzt. In der Nähe von Demonstrationen der Mursi-Anhänger fuhren am Mittwochabend Dutzende Panzer auf. Zuvor hatte der islamistische Staatschef eine Regierung der nationalen Einheit als Ausweg aus der Staatskrise angeboten, anstatt den ultimativen Forderungen der einflussreichen Armee zu entsprechen.

Die Armee hatte Mursi in ihrem Ultimatum nach tagelangen Massenprotesten aufgefordert, die Krise beizulegen und den Forderungen der regierungskritischen Demonstranten nachzukommen. Die Streitkräfte drohten zugleich an, anderenfalls würden sie selbst einen Fahrplan für einen Ausweg aus der Krise verkünden und die Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen überwachen. Verteidigungsminister und Armeechef Abdel Fattah al-Sissi traf bereits vor dem Ende des Ultimatums in Kairo mit Oppositionssprecher Mohammed ElBaradei sowie Vertretern anderer politischer und religiöser Kräfte zusammen, um mit ihnen über den Fahrplan zu beraten.

Zuvor waren die Chefs der ägyptischen Streitkräfte zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen. Wie aus Armeekreisen verlautete, leisteten sie zu Beginn der von al-Sissi geleiteten Sitzung einen Eid: „Wir schwören vor Gott, dass wir für Ägypten und sein Volk unser Blut gegen alle Terroristen, Extremisten und Unwissenden opfern werden.“

Auf dem Tahrir-Platz demonstrierten weiter zehntausende Menschen für Mursis Rücktritt. Der Präsident bot lediglich eine Regierung der nationalen Einheit zur Beilegung der Krise an. „Die Präsidentschaft zieht die Bildung einer Koalitionsregierung des Konsenses in Betracht, um die nächste Parlamentswahl zu beaufsichtigen“, teilte Mursis Büro via Facebook mit.

Nach Ablauf des Ultimatums verlautete aus Sicherheitskreisen, gegen Mursi sowie gegen mehrere führende Mitglieder der islamistischen Muslimbruderschaft sei ein Ausreiseverbot verhängt worden. Die Anordnung „hochrangiger Sicherheitsvertreter“ stehe im Zusammenhang mit ihrer mutmaßlichen Verwicklung in einen Ausbruch aus dem Gefängnis Wadi Natrun im Januar 2011.
Vertreter des Flughafens in der Hauptstadt Kairo bestätigten der Nachrichtenagentur AFP, es gebe eine Anordnung, Mursi und führende Muslimbrüder, darunter ihren Obersten Führer Mohammed Badie und seinen Stellvertreter Chairat al-Tschater, an Auslandsreisen zu hindern. Den Muslimbrüdern wird vorgeworfen, den Gefängnisausbruch von mehr als 30 Gefolgsleuten mithilfe der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah-Miliz organisiert zu haben.

Ägypten kommt seit zweieinhalb Jahren nicht zur Ruhe. Massenproteste hatten im Februar 2011 den Rücktritt des langjährigen Staatschefs Husni Mubarak erzwungen. Das Land wurde übergangsweise von einer Militärregierung geführt, vor einem Jahr trat der aus der islamistischen Muslimbruderschaft hervorgegangene Mursi als Sieger der ersten freien Präsidentschaftswahlen in Ägypten sein Amt an. (dpa, afp)