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Neues Studienprogramm: Brückenschlag im Nahen Osten

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Königin Beatrix der Niederlande und Joachim Gauck bei der feierlichen Gala in Düsseldorf, Ihnen gegenüber sitzen Alfred Neven DuMont und Hannelore Kraft. Foto: Max Grönert
Auf einer Gala in den Düsseldorfer Rheinterrassen warb Bundespräsident Gauck für das internationale Ausbildungsprogramm „European Studies“ des früheren israelischen Botschafters in Deutschland, Avi Primor.  Von
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Köln/Düsseldorf

Auf einer festlichen Gala in den Düsseldorfer Rheinterrassen hat am Sonntagabend Bundespräsident Joachim Gauck für das internationale Ausbildungsprogramm „European Studies“ des früheren israelischen Botschafters in Deutschland, Avi Primor, geworben. Es sei eine großartige Idee, junge Menschen aus Israel, Jordanien und den Palästinensischen Gebieten in Deutschland zusammenzubringen, sagte Gauck. „Verständigung wird so lebendig und konkret, wie man es sich nur wünschen kann.“

Symbol für die Vielfältigkeit  und die Probleme in Jerusalem: Felsendom und Klagemauer.
Symbol für die Vielfältigkeit und die Probleme in Jerusalem: Felsendom und Klagemauer.
Foto: dpa

Neben Gauck und seiner Partnerin Daniela Schadt war die niederländische Königin Beatrix als Schirmherrin des 2009 gegründeten trilateralen Studiengangs Ehrengast des Abends. Die Schirmherrschaft der Gala mit 450 Teilnehmern hatten Alfred Neven DuMont, Verleger und Herausgeber des „Kölner Stadt-Anzeiger“, und seine Frau Hedwig übernommen. Musikalisch gestaltet wurde der Abend vom Starpianisten und Dirigenten Daniel Barenboim. Moderatorin war Marietta Slomka (ZDF heute-journal).

Mit Blick auf den Prozess der europäischen Einigung als Modell und Vorbild für eine mögliche Entwicklung in der Region des Nahen Ostens sagte Gauck, das Lernen aus der Geschichte sei nichts Schematisches. „Lernen aus der Geschichte heißt, aus Früherem und Fremdem Kraft und Inspiration für das Eigene zu gewinnen.“ Jede Generation müsse sich neu üben im Brückenbau. „Wir brauchen den Mut der Einzelnen, um später den Mut einer ganzen Gesellschaft zu beflügeln“, so der Bundespräsident, der an diesen Gedanken einen besonderen herzlichen Dank für Primors Engagement anschloss. „Wo wäre das alles, wenn wir Sie nicht hätten?“ Primor seinerseits nannte Gauck einen „Bannerträger der Menschenrechte und des Humanismus“.

An dem Masterstudiengang „European Studies“ können angehende Akademiker der Al-Quds-Universität (Ost-Jerusalem), der privaten Universität Herzliya (Tel Aviv) und der Royal Scientific Society (Amman) teilnehmen. Ziel ist es, einer künftigen Führungselite Palästinas, Israels und Jordaniens fundiertes Wissen über europäische Angelegenheiten zu vermitteln und zugleich ein Netz persönlicher Kontakte aufzubauen. „Das ist die Zukunft: Menschen, die einander kennen und vertrauen, statt sich zu verteufeln“, so Primor als Initiator des Projekts.

Aus der Gästeliste

Günther Beckstein (CSU), bayerischer Ministerpräsident a.D.
Bärbel Dieckmann (SPD), frühere Bonner Oberbürgermeisterin
Hans Werner Kilz, Mediengruppe M. DuMont Schauberg
Klaus Kinkel (FDP), Außenminister a.D.
Hannelore Kraft (SPD), Ministerpräsidentin NRWGräfin Alexandra LambsdorffLiz Mohn, Bertelsmann
Isabella Neven DuMont, Mediengruppe M. DuMont SchaubergFerdinand Piëch, Volkswagen
Christina Rau
Claudia Roth (Grüne), Parteivorsitzende
Jürgen Rüttgers (CDU), Ministerpräsident NRW a.D.
Jacques Santer, früherer Präsident der EU-Kommission
Wolfgang Schüssel, früherer österreichischer Bundeskanzler
Peer Steinbrück (SPD), Ministerpräsident NRW a.D. und Kanzlerkandidat
Rita Süssmuth (CDU), Bundestagspräsidentin a.D.
Prinz Leopold von Baden
Georg-Dieter von Holtzbrinck, Verlagsgruppe Holtzbrinck

Auch Alfred Neven DuMont würdigte Primor, den er in einem Dialog zum Abschluss des Abends als „sehr guten alten Freund“ bezeichnete, als treibende Kraft des Projekts. Auf Neven DuMonts Frage, ob er sich als Visionär oder Don Quijote sehe, verwies Primor darauf, dass der von ihm angeregte Studiengang nicht Hirngespinst geblieben, sondern Wirklichkeit geworden sei.

Deutlich kritisierte Neven DuMont die israelische Regierung unter Premier Benjamin Netanjahu, die auf die Teilanerkennung Palästinas durch die UN in erschreckender Weise reagiert habe, indem sie den Ausbau der israelischen Siedlungen vorantreibt. Der Weg der Konfrontation aber müsse nicht nur menschlich-emotional, sondern auch nach jeder Logik auf lange Sicht in die Irre führen, so Neven DuMont in einem Grußwort an die Teilnehmer der Gala. Der Dialog für gemeinsames Leben und Lernen bringe die Jugend der Gegner zusammen, lobte Neven DuMont. Dies sei ein wahrer Brückenschlag zwischen den Ländern des Nahen Ostens und Deutschland, wo jährlich 30 Stipendiaten den zweiten Teil ihrer Ausbildung verbringen.

„Wir brauchen einen politischen Frieden im Nahen Osten. Aber wenn es so weit ist, müssen die Menschen und vor allem die Jugend an diesen Frieden glauben, um ihn aufrecht erhalten zu können“, so Primor. Die Lehrpläne sind für alle Studenten gleich, die Dozenten pendeln zwischen den Standorten. Primor ist stolz darauf, dass die Vorlesungen an der Al-Quds-Universität mit israelischen Lehrkräften trotz der aufgewühlten Lage während der jüngsten Konfrontation zwischen Israelis und Palästinensern stattfanden. „Die Verantwortlichen an der Universität wissen, was sie an unserem Projekt haben.“ Nach dem zertifizierten Abschluss vom „Center für European Studies“ können sich die Absolventen um ein Stipendium für das Masterprogramm an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bewerben.

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